DÜSSELDORF / LONDON (IT BOLTWISE) – Beschäftigte der erneut insolventen Warenhauskette Galeria erhalten Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit. Die Zahlung betrifft 9.650 Mitarbeitende und soll über eine Bank vorfinanziert werden, damit das Geld schnell auf den Konten ankommt. Damit sind die Gehälter für die Monate Oktober, November und Dezember gesichert. Zugleich läuft das Geschäft in den 83 Filialen zunächst weiter, während Standortschließungen offen bleiben.

Das vorläufige Insolvenzverfahren gegen die Warenhauskette Galeria tritt in eine Phase, in der sich für viele Beschäftigte vor allem eine Frage entscheidet: Bekommen sie ihren Lohn pünktlich, während die Sanierung rechtlich neu sortiert wird? Laut Angaben eines Behördensprechers besteht dem Grunde nach ein Anspruch auf Insolvenzgeld, weil die geltende Gesetzeslage den Rahmen für die Leistungserbringung vorgibt. Besonders relevant ist dabei die konkrete Zahl der betroffenen Personen: Die Bundesagentur für Arbeit lässt Insolvenzgeld für 9.650 Beschäftigte auszahlen, nachdem die Entscheidung zuvor mehrere Tage lang intensiv geprüft wurde.
Finanziell ist der Mechanismus klar geregelt, aber im Einzelfall hängt er an formalen Bedingungen. Insolvenzgeld wird in der Regel einmalig für maximal drei Monate vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gezahlt, normalerweise rückwirkend, und orientiert sich dabei in der Praxis am Nettolohn. Entscheidend ist zudem, dass der Anspruch grundsätzlich erst mit der Eröffnung des Verfahrens entsteht. Gleichzeitig kann er über eine Abtretung der Ansprüche an eine Bank vorfinanziert werden, wodurch die Auszahlung an die Mitarbeitenden beschleunigt werden soll.
Genau diesen Vorfinanzierungsweg macht Galeria zum operativen Stabilitätshebel. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus betont, dass die Zustimmung der Agentur für Arbeit zur Zahlung des Insolvenzgeldes und zur Vorfinanzierung eine wichtige Voraussetzung ist, um das operative Geschäft für die kommenden Monate zu sichern. Das bedeutet: Für die Monate Oktober, November und Dezember erhalten die Beschäftigten ihre Löhne und Gehälter. Damit soll auch die weitere Abwicklung im Hintergrund planbarer werden, etwa gegenüber Lieferanten und Finanzierungspartnern, die für einen fortlaufenden Filialbetrieb weiterhin vertraglich eingebunden bleiben müssen.
Die rechtliche Bewertung war nach Angaben aus dem Verfahren lange Zeit angespannt, weil die Vorgeschichte nicht bei Null beginnt. Laut Berichten der Bundesagentur mussten wiederholt Unterlagen vom Insolvenzverwalter nachgereicht werden, unter anderem weil die Folgen der zurückliegenden Insolvenz von 2024 noch nicht abgeklungen waren. Problematisch war dabei auch der bereits zuvor umgesetzte Übergang des Betriebs auf ein neues Unternehmen, das formal nicht in der sogenannten Planüberwachung steht. Ob und wie dieser Schritt die Voraussetzungen für einen Insolvenzgeldanspruch beeinflusst, wurde deshalb als heikel betrachtet, bevor die Prüfung zu dem nun genannten Ergebnis führte.
Markt- und Unternehmensseite zeigen parallel, warum Insolvenzgeld nicht nur eine soziale Absicherung ist, sondern auch eine kurzfristige Liquiditätsbrücke. Galeria beschäftigt derzeit insgesamt 11.250 Mitarbeiter, allerdings läuft für einen Teil des Geschäfts – etwa die Gastronomie- und Lebensmittelsparte – ein separater Insolvenzantrag. Dadurch entsteht eine organisatorische Zersplitterung, die sich auch in der Frage widerspiegelt, wer in welchem Verfahren und in welchem Zeitfenster Leistungen erhält. Dass die Gehälter aller Beschäftigten dem Vernehmen nach zusammen auf knapp 25 Millionen Euro im Monat hinauslaufen, macht deutlich, wie stark die Personalkosten die operative Handlungsfähigkeit beeinflussen.
Rechtlich hatte der Druck bereits früh eingesetzt: Am 2. Oktober stellte Galeria beim Amtsgericht Düsseldorf wegen Zahlungsunfähigkeit einen Insolvenzantrag, zum vierten Mal innerhalb von sechs Jahren. Das Gericht ordnete daraufhin ein vorläufiges Insolvenzverfahren an (Az: 502 IN 258/26). In den 83 Filialen läuft der Geschäftsbetrieb zunächst weiter; ob und welche Standorte schließen müssen, bleibt nach wie vor offen. Für Beschäftigte heißt das kurzfristig: Der Lohnzeitraum ist durch Insolvenzgeld und die Vorfinanzierung abgedeckt, während sich die mittel- und langfristige Perspektive erst im weiteren Verfahren konkretisieren wird.
Für IT- und Prozessverantwortliche in Unternehmen mit ähnlichen Konstellationen liegt aus der aktuellen Lage ein praktischer Punkt nahe: Die Auszahlung von Löhnen in Krisenszenarien hängt an rechtssicheren Workflows, sauberer Zuordnung von Beschäftigten zu Teilbereichen und einer reibungslosen Übergabe von Nachweisdokumenten. Gleichzeitig verdeutlicht der Ablauf, dass Banken als Vorfinanzierer eine zusätzliche Schnittstelle in die Prozesskette bringen, in der Fristen, Zuständigkeiten und Datenqualität entscheidend sind. Auch wenn die Nachricht primär arbeits- und finanzrechtlich wirkt, zeigt sie damit indirekt, wie wichtig in der Krise robuste Abstimmungsprozesse zwischen Verwaltung, Insolvenzverwaltung und Arbeitgebern sind – und wie schnell Entscheidungen in der Praxis ausgerollt werden müssen, sobald eine rechtliche Hürde genommen ist.
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