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BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Institut der deutschen Wirtschaft dämpft die Erwartungen an den Investitionsgipfel mit Bundeskanzler Friedrich Merz. IW-Direktor Michael Hüther betont, dass seit Jahren ein Großteil des Wirtschaftswachstums aus öffentlichen Impulsen kommt und ein Gipfel das kurzfristig nicht umdrehen könne. Entscheidend seien Bedingungen am Standort: ob Unternehmen dort Geld verdienen können. Gleichzeitig verweist er auf zu hohe Kosten durch Arbeit, Energie und Bürokratie sowie auf ein strukturelles Problem bei privaten Investitionen.

IW warnt vor hohen Erwartungen: Investitionsgipfel bringt ohne Reformen wenig
IW warnt vor hohen Erwartungen: Investitionsgipfel bringt ohne Reformen wenig (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Investitionsgipfel in Berlin ist politisch gut getaktet, technisch betrachtet fehlt ihm aber ein Hebel, der die private Investitionsbereitschaft unmittelbar in Bewegung setzt. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nutzt den Start des Gipfels mit Bundeskanzler Friedrich Merz als Moment zur Einordnung: Seit sechs Jahren komme nahezu das gesamte Wirtschaftswachstum aus öffentlichen Impulsen, so der IW-Direktor Michael Hüther. Daraus leitet er eine klare Erwartungsdisziplin ab. Der Gipfel könne kurzfristig wenig ändern, wenn Investitionsentscheidungen weiterhin vor allem davon abhängen, ob sich am jeweiligen Standort künftig Gewinn erwirtschaften lässt.

In der Argumentationslogik des IW steckt eine einfache, aber in der Praxis wirkungsvolle Verbindung zwischen Standortkosten und Investitionsvolumen. Hüther nennt explizit die Kosten für Arbeit, Energie und Bürokratie als Faktoren, die in Deutschland seit Jahren an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Auch ohne die genaue methodische Herleitung zu nennen, verweist das IW auf Indikatoren, die diesen relativen Abwärtstrend untermauern. Für Unternehmen bedeutet das: Maschinen und Anlagen werden nicht allein wegen politischer Aufmerksamkeit angeschoben, sondern weil sich die Rendite von Projekten unter realen Kosten- und Planungsannahmen zuverlässig kalkulieren lässt.

Besonders deutlich wird das Problem bei der Entwicklung der privaten Investitionen. Hüther ordnet die Lage so ein, dass die Investitionen in Maschinen und Anlagen im zweiten Quartal 2026 preisbereinigt weiterhin etwa zehn Prozent unter dem Vor-Corona-Niveau gelegen hätten. Zwei Treiber nennt er als Teil der Erklärung: geopolitische Unsicherheiten und Handelskonflikte. Der entscheidende Zusatz ist jedoch das Binnenargument, nämlich die hohen Kosten in Deutschland. Damit verschiebt sich der Fokus weg von kurzfristigen Stimmungsimpulsen hin zu Fragen, die sich in Kapitalbudgets und Genehmigungsprozessen direkt niederschlagen – etwa Energiepreise, Arbeitskosten und die Dauer bürokratischer Schritte bis zur Umsetzung.

Gleichzeitig warnt das IW vor einem zu engen Blick auf das reine Inlandsniveau. Hüther hält fest, dass Auslandsinvestitionen deutscher Firmen seit 2010 mehr als verdoppelt hätten. Das sei nicht automatisch schlecht, wenn dadurch neue Märkte erschlossen werden oder Produktionskapazitäten dort aufgebaut werden, wo die Nachfrage wächst. In einer Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammern werde jedoch immer häufiger genannt, dass Kostenmotive den Ausschlag für solche Entscheidungen geben. Genau an dieser Stelle diagnostiziert das IW ein Strukturproblem: Wenn Kosten zu einem Haupttreiber werden, verlagert sich Wertschöpfung schleichend – und das betrifft nicht nur Standorte, sondern auch Produktivitätsentwicklung, Arbeitsplätze und regionale Ökosysteme aus Zulieferern und Dienstleistern.

Technisch lässt sich das als Kette von Investitionsannahmen beschreiben: Kapitalintensive Projekte hängen stark von der Planbarkeit der Stückkosten, der Energieverfügbarkeit und der administrativen Durchlaufzeiten ab. Sobald Bürokratie zu längeren Vorlaufzeiten führt, steigt die erforderliche Risikoprämie im Business Case; wenn Energie- und Arbeitskosten dauerhaft höher ausfallen, sinkt die erwartete Kapitalrendite. Die Folge ist nicht zwingend eine komplette Investitionsverweigerung, aber eine Verschiebung in den Zeitplan oder in geografische Alternativen. In dieser Perspektive wird auch verständlich, warum ein Gipfel zwar Erwartungen bündeln kann, aber ohne Reformfortschritt die entscheidenden Rechenparameter nicht verschiebt.

Für die Politik ergibt sich daraus ein konkreter Handlungsrahmen: Hüther nennt als „effektiver“ die zügige Umsetzung einer Reformagenda durch die Bundesregierung. Das ist keine Forderung nach mehr Kommunikation, sondern nach dem Abbau von Hemmnissen, die Investitionsentscheidungen faktisch bestimmen. Unternehmen fragen in der Regel nicht, ob ein Rahmenprogramm gut klingt, sondern ob Genehmigungen schneller laufen, ob Kostenprofile stabiler werden und ob die Standortbedingungen die Finanzierung von Produktions- und Automatisierungsprojekten langfristig tragfähig machen. Der Gipfel kann dabei als Plattform dienen, aber die eigentliche Wirkung entsteht erst, wenn die Reformagenda in der Breite in Planbarkeit und Kostenstruktur übersetzt wird.

In Berlin beginnt der Investitionsgipfel am Montagabend in einem stillgelegten Kraftwerk; zum Auftakt sollen Vertreter zahlreicher Unternehmen aus Deutschland und dem Ausland zusammenkommen. Solche Formate können helfen, konkrete Projektideen zu bündeln und die Perspektive internationaler Investoren sichtbar zu machen. Aus Sicht des IW reicht das allein jedoch nicht, weil private Investitionen in Maschinen und Anlagen letztlich dem Ziel dienen, Produktivität zu erhöhen und damit Wachstum und Wohlstand abzusichern. Damit wird der Gipfel vor allem dann mehr als ein Symbol, wenn er messbar in Standortentscheidungen mündet – etwa in zusätzlichen Inlandsprojekten, die sich in den Kennzahlen zur Investitionsentwicklung wiederfinden lassen.


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