NEW HAVEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine bahnbrechende Studie der Yale University zeigt, dass schwache Gehirnverbindungen, die bisher als ‘Rauschen’ abgetan wurden, Verhalten genauso präzise vorhersagen können wie starke Signale. Diese Erkenntnis könnte die Behandlung von psychischen Erkrankungen revolutionieren, indem sie neue therapeutische Ziele eröffnet. Forscher fanden heraus, dass das Gehirn über mehrere, nicht überlappende Netzwerke verfügt, die das gleiche Verhalten vorhersagen können, was auf eine erhebliche funktionale Flexibilität hinweist.

In der Welt der Neurowissenschaften galt lange Zeit die Annahme, dass nur die stärksten 10% der Gehirnsignale von Bedeutung sind, während der Rest als unbedeutendes ‘Rauschen’ abgetan wurde. Eine neue Studie der Yale University stellt diese Sichtweise jedoch in Frage und zeigt, dass die restlichen 90% der Gehirnverbindungen Verhalten mit gleicher oder sogar größerer Genauigkeit vorhersagen können. Diese Entdeckung könnte weitreichende Auswirkungen auf die Behandlung von psychischen Erkrankungen haben, indem sie neue therapeutische Ansätze eröffnet.
Die Forscher fanden heraus, dass das Gehirn über mehrere, nicht überlappende Netzwerke verfügt, die das gleiche Verhalten vorhersagen können. Dies deutet darauf hin, dass das Gehirn eine erhebliche Redundanz und funktionale Flexibilität besitzt. Für psychische Erkrankungen wie Depressionen bedeutet dies, dass unterschiedliche Individuen möglicherweise auf völlig unterschiedliche neuronale Pfade angewiesen sind, um das gleiche Verhaltensmuster zu erreichen.
Die Studie legt nahe, dass therapeutische Ziele nicht nur auf die ‘stärksten’ Netzwerke beschränkt sein sollten. Wenn mehrere Schaltkreise eine Krankheit vorhersagen können, könnte die Behandlung dieser übersehenen Schaltkreise einen Durchbruch für Patienten darstellen, die gegenwärtig resistent gegen bestehende Therapien sind. Dies könnte erklären, warum einige Menschen nicht auf Behandlungen ansprechen, die bei anderen wirksam sind.
Die Forscher untersuchten Gehirnscans und Verhaltensdaten von über 12.000 Teilnehmern aus vier großen US-Datensätzen. Sie stellten fest, dass die schwächeren Verbindungen, die normalerweise als Rauschen ignoriert werden, eine Vorhersagegenauigkeit erreichten, die mit den stärksten Verbindungen vergleichbar war. In einigen Fällen übertrafen Modelle, die auf den schwächeren Verbindungen basierten, sogar die auf den stärksten Verbindungen basierenden Modelle.
Diese Ergebnisse könnten die klinische Wirksamkeit von gehirnbasierten Biomarkern erhöhen, indem sie die Komplexität und individuelle Variabilität des Gehirns besser widerspiegeln. Die Studie zeigt, dass hohe statistische Stärke nicht unbedingt höhere biologische Relevanz bedeutet und dass das ‘Rauschen’ von heute die Präzisionsmedizin von morgen sein könnte.
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