LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie stellt die bisherige Annahme in Frage, dass sich das Gehirn nach einer Amputation drastisch reorganisiert. Stattdessen bleibt die neuronale Karte des Körpers erstaunlich stabil, was neue Perspektiven für die Behandlung von Phantomschmerzen eröffnet.

Seit Jahrzehnten gingen Wissenschaftler davon aus, dass sich das Gehirn nach einer Amputation eines Körperteils erheblich umorganisiert. Diese Annahme basierte auf der Vorstellung, dass benachbarte Körperteile die neuronalen Bereiche des verlorenen Gliedes übernehmen. Eine neue Studie, veröffentlicht in Nature Neuroscience, zeigt jedoch, dass das Gegenteil der Fall ist: Die neuronale Karte des Körpers bleibt auch Jahre nach einer Amputation bemerkenswert stabil.
In Zusammenarbeit mit NHS-Chirurgen untersuchten Forscher drei erwachsene Patienten, die sich einer lebensrettenden Armamputation unterziehen mussten. Mithilfe von funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) wurden ihre Gehirne vor und nach der Amputation gescannt, um die neuronale Aktivität zu kartieren. Die Ergebnisse zeigten, dass die neuronale Karte der Hand im Gehirn unverändert blieb und nicht von anderen Körperteilen überschrieben wurde.
Diese Stabilität der neuronalen Karte erklärt, warum viele Amputierte ihre fehlenden Gliedmaßen weiterhin so lebhaft spüren. Bisherige Erklärungen für die oft schmerzhaften Phantomempfindungen basierten auf der Theorie der Gehirnreorganisation. Diese Erkenntnisse werfen ein neues Licht auf die Wirksamkeit von Therapien wie Spiegeltherapie oder virtuellen Realitätstraining, die darauf abzielen, vermeintlich fehlerhafte Karten zu korrigieren.
Die Studie legt nahe, dass die Ursache für Phantomschmerzen eher in den während der Operation durchtrennten Nerven zu suchen ist. Neue chirurgische Techniken zielen darauf ab, die Nervenverbindungen zu erhalten und stabile Signale an das Gehirn zu senden. Diese Erkenntnisse könnten auch die Entwicklung von Prothesen und Gehirn-Computer-Schnittstellen revolutionieren, indem sie direkt auf die erhaltene neuronale Karte zugreifen, um Bewegungen zu dekodieren oder Empfindungen zu vermitteln.
Die Forschung zeigt, dass das Gehirn ein widerstandsfähiges Modell des Körpers bewahrt, selbst wenn sensorische Eingaben verloren gehen. Für Amputierte bedeutet dies, dass das fehlende Glied im Gehirn weiterlebt, manchmal als Quelle des Unbehagens, aber auch als Ressource für zukünftige Technologien.

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