LONDON (IT BOLTWISE) – Die Police National Legal Database (PNLD) hat bestätigt, dass Kontakt- und Organisationsdaten von Polizei- und Justizbeteiligten auf dem Dark Web veröffentlicht wurden. Betroffen sind unter anderem Namen, Arbeitgeberzugehörigkeiten und dienstliche E-Mail-Adressen von Polizisten, Polizeibeschäftigten, Justiz-Professionals sowie staatlichen Partnern und Kunden. Laut PNLD gibt es keine Hinweise darauf, dass Passwörter oder andere Sicherheitsnachweise kompromittiert wurden. Nach bisherigem Stand bleibt offen, wie genau der Zugriff technisch zustande kam und wie viele Einzelpersonen betroffen sind.

PNLD-Datenleck in UK: Kontaktinfos von Polizei und Regierung auf Dark Web
PNLD-Datenleck in UK: Kontaktinfos von Polizei und Regierung auf Dark Web (Foto: IT BOLTWISE)
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In Großbritannien trifft ein Datenleck die Police National Legal Database (PNLD) und damit einen zentralen Dienst, über den Polizei, Justizorganisationen und verbundene Partner rechtliche Informationen sowie Produkte und Services beziehen. PNLD ordnet die Veröffentlichung von Datensätzen auf dem Dark Web als kompromittierte Polizei-, Regierungs- und Kundenkontaktinformationen ein. In den betroffenen Daten werden Namen, Organisationszugehörigkeiten und vor allem Work-E-Mail-Adressen genannt. Damit steigt das Risiko, dass Angreifer gezielt Phishing-Nachrichten erstellen, die sich für Empfänger plausibel „anfühlen“, weil Absender und Kontaktwege an realen Dienstdaten anknüpfen.

Der Vorfall wurde PNLD zufolge am 26. Juli identifiziert. Zugleich spricht PNLD ausdrücklich von dem Muster, dass auch Namen und E-Mail-Adressen von Personen betroffen sein könnten, die Fragen über „Ask the Police“ eingereicht hatten. Das ist für Verteidiger ein wichtiger Unterschied: Bei solchen Eingangswegen existieren oft frühzeitig veröffentlichte Kontaktdaten und Interaktionsspuren, mit denen sich Social-Engineering-Narrative beschleunigen lassen. PNLD betont zudem, dass es keine Hinweise gebe, dass Passwörter oder andere Sicherheitscredentials kompromittiert wurden. Die Datenlage wirkt damit weniger wie ein klassisches „Credential Dumping“ und mehr wie ein Auslesen personenbezogener Kontaktdaten oder Datenbankinhalte, deren Zugriff über Konfigurationen und Web-Zugänge ermöglicht wurde.

Technisch spannt sich der Kontext um die Frage, welche Plattformkomponenten für die Daten sichtbar wurden. In der 2023-24 jährlichen Zusammenfassung von PNLD wird Microsoft Power Platform als Technologiegrundlage genannt. Eine ergänzende Analyse, wie sie am 3. August 2026 veröffentlicht wurde, ordnet die betroffenen PNLD-Seiten einem Powerapps-Asset-Umfeld auf der Domain content.powerapps.com zu. Das liefert einen Hinweis auf die Systemlandschaft, erklärt aber noch nicht den eigentlichen Angriffsweg. Dafür betrachtet die Auswertung insbesondere Muster, die zu Dataverse-typischen Strukturen passen: In Stichproben, die mit vermeintlichen Exfiltrationsdaten in Verbindung standen, wurden konsistente Strukturerkennungsmerkmale festgestellt.

Für den plausiblen Pfad nennt die Analyse als Hypothese eine Konstellation aus einem öffentlichen Power Pages Portal und einem breiten Zugriff für anonyme Nutzer („Anonymous Users“) auf Dataverse-Tabellen. Dieser Weg würde voraussetzen, dass entweder eine aktivierte Power Pages Web API existiert oder ein Legacy-OData-Feed bereitsteht. Hintergrund: In Microsofts Dokumentation wird beschrieben, dass die Rechtezuweisung für „Anonymous Users“ auf einer Tabelle dazu führen kann, dass die Daten für jeden Besucher der zugehörigen Website sichtbar sind. Aus Sicht der Incident-Response ist dabei weniger die reine Existenz von Power Pages entscheidend, sondern die konkrete Rollen- und Berechtigungszuordnung auf Tabellenebene sowie die Art, wie die API die Table Permissions in den Web-Response überträgt.

Wichtig ist, dass der aktuelle Stand die Kette „PNLD-Leak“ → „Power Pages Anonymous Users“ nicht als bewiesene Ursache festzurrt, sondern ausdrücklich als Prüfpfad behandelt. Weder PNLDs offizielle Benachrichtigung noch die technische Auswertung identifizieren eine PNLD-spezifische Endpunktadresse, eine konkrete Permission-Änderung, eine bestimmte API-Route oder passende Logs. Auch im Material, das im Rahmen der Kampagnenanalyse geprüft wurde, fand sich laut Auswertung kein Hinweis auf Ransomware, Malware, laterale Bewegung im Netzwerk oder das Ausnutzen einer spezifischen Software-Schwachstelle. Gleichzeitig bleibt eine Lücke: Das Leck war zwar am 26. Juli auf einem Leak-Portal gelistet, eine Attribution an eine konkrete Angreifergruppe nahm PNLD jedoch nicht vor. Das bedeutet für Unternehmen vor allem eins: Selbst wenn ein Konfigurationsmuster naheliegt, muss der Zugriffspfad forensisch verifiziert werden.

Für das Risikomanagement in Polizeiumgebungen und rechtsnahen Organisationen wirkt die Gemengelage aus technischen Details und fehlender Opferzahl besonders relevant. Bis zum 3. August 2026 hatte PNLD öffentlich keine Angaben dazu gemacht, wie viele Personen betroffen sind, wann der unautorisierte Zugriff begonnen hat, wie lange er andauerte oder welches Datenvolumen genau extrahiert wurde. PNLD nennt stattdessen eine Nutzerbasis aus der 2025-26 jährlichen Zusammenfassung: 108.429 police registrations und Support für alle 43 Home-Office-Polizeikräfte. Diese Zahl bezieht sich auf Registrierungen und nicht auf die Zahl der kompromittierten Einzelpersonen. PNLD berichtet außerdem, die Information Commissioner’s Office (ICO) benachrichtigt zu haben und mit der National Crime Agency (NCA) sowie spezialisierten Sicherheitsorganisationen zusammenzuarbeiten.

Operativ ergibt sich daraus ein klarer Prüfauftrag für Betreiber von Power-Plattform-Setups, die öffentliche Formulare oder Portale bereitstellen. Die empfohlene Linie lautet, Anonymous-Users-Berechtigungen auf Dataverse-Tabellen zu überprüfen, die Web-API-Settings sowie Legacy-OData-Feeds zu prüfen und den Zugriff zudem aus einer unauthentifizierten Browser-Session zu testen. Genau diese Maßnahmen adressieren das Konfigurationsmuster, das in der Analyse als Kampagnenpfad sichtbar wird; sie sind damit aber nicht automatisch gleichzusetzen mit einem „PNLD-spezifisch bestätigten“ Root Cause. Gleichzeitig zeigt der Fall, wie eng Identitätsdaten (Namen, Arbeitsadressen) und Angriffsqualität zusammenhängen: Je besser Angreifer reale Kontaktrollen abbilden, desto realistischer wirken ihre Nachrichten, selbst wenn keine Passwörter im Spiel waren.


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