SIDOARJO / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Regionalpolizei von Ostjava (Polda Jatim) hat ein Netzwerk aufgedeckt, das mit WhatsApp- und Telegram-Konten Online-Glücksspiel-Aktivitäten ermöglichen sollte. Im Verfahren gegen den Verdächtigen DS aus Krian in Sidoarjo geht es unter anderem um den Verkauf von 647 WhatsApp-Accounts. Nach Angaben der Behörden sollen zudem Telegram-Konten und missbräuchlich registrierte SIM-Karten in großem Umfang Teil des Modells gewesen sein. Die Ermittler nennen einen möglichen Gewinn von rund IDR 100 Mio. und sichern Hardware sowie mehrere Tausend SIM-Karten ein.

Die Regionalpolizei von Ostjava, Polda Jatim, rückt mit einer aktuellen Ermittlungsmaßnahme in den Fokus, weil sie einen Handel mit Messenger-Accounts und die missbräuchliche Registrierung von SIM-Karten als zusammenhängendes Geschäftsmodell beschreibt. Im Zentrum des Verfahrens steht ein Verdächtiger mit den Initialen DS aus Krian im Regierungsbezirk Sidoarjo, der laut Behördenangaben bereits seit 2023 aktiv gewesen sein soll. Die Polizei ordnet das Vorgehen dem Umfeld von Online-Glücksspiel zu, bei dem über Kommunikationskanäle gezielt Angebote verteilt werden. Besonders konkret wird es bei einer dokumentierten Transaktion: Dabei sollen 647 WhatsApp-Accounts an einen Telegram-Nutzer veräußert worden sein.
Technisch betrachtet beginnt das Modell nicht mit dem Verkauf fertiger Konten, sondern mit der Beschaffung von Identitätsdaten, um SIM-Karten überhaupt registrieren zu können. Nach den polizeilichen Ermittlungen soll DS fremde Identitäts- und Familiendaten genutzt haben, darunter Nummern nationaler Identitätskarten (NIK) sowie Familienkarten (KK). Aus diesen Angaben sollen dann SIM-Karten missbräuchlich erstellt bzw. registriert worden sein. Erst darauf aufbauend sollen erstellte WhatsApp-Accounts für IDR 500 bis 5.000 und Telegram-Accounts für IDR 1.000 bis 3.000 pro Stück weiterverkauft worden sein, wie die Behörden berichten.
Dass der Verdächtige dabei nicht nur „Gelegenheitsware“ produzierte, sondern den Ablauf offenbar professionalisierte, beschreiben die Behörden mit einem Schritt ab November 2025: DS habe die Werbesoftware „sengmanda.com“ für den Massenversand von Nachrichten über WhatsApp eingesetzt. Damit verschiebt sich der Charakter der Tat vom reinen Kontohandel hin zu einer skalierbaren Verbreitungskette, in der viele neu eingerichtete Accounts in kurzer Zeit mit Angeboten bespielt werden können. Für die Zeitspanne von 2023 bis Oktober 2025 nennt die Polizei als Ergebnis aus dem Geschäftsmodell einen Gewinn von rund IDR 100 Mio. Diese Kombination aus Datenbeschaffung, Infrastrukturaufbau über SIM-Karten und anschließender Nachrichtendistribution ist in solchen Fällen ein wiederkehrendes Muster, weil sie die Erreichbarkeit von Zielgruppen erhöhen soll.
Auch die Reichweite des mutmaßlichen Netzwerks wird von der Polizei in mehreren Dimensionen eingeordnet. In Berichten vom 30. Oktober 2026 heißt es, Ermittler sähen zudem eine mutmaßliche Verbindung zu einem Glücksspielnetzwerk in Kambodscha; das erfasste Transaktionsvolumen wird mit Rp 1 Mrd. beziffert. Für den 5. August 2026 dokumentierte die Polizei demnach den Zukauf vorregistrierter SIM-Karten durch den Verdächtigen. In einer einzelnen dokumentierten Transaktion umfasste der Verkauf von 647 WhatsApp-Accounts an einen Telegram-Nutzer (genannt wird „@kirimorderang“) an das Konto „tehkyu“ einen Preis von rund Rp 600 pro Account. So lassen sich die Vorwürfe in konkrete Abwicklungsdetails übersetzen, die über reine Allgemeinbegriffe hinausgehen.
Für die Beweissicherung nennt Polda Jatim umfangreiche Maßnahmen. Die Einsatzkräfte stellten einen PC, 13 Mobiltelefone sowie rund 6.000 SIM-Karten der Anbieter XL, Axis und By.U sicher. Öffentlich bestätigt wurde der Fall im Hauptquartier Mapolda Jatim unter anderem vom stellvertretenden Leiter der Cybercrime-Direktion (Wadirresiber), AKBP Daniel Somanonasa Marunduri, und vom Leiter der Öffentlichkeitsarbeit (Kabid Humas), Kombes Pol Jules Abraham Abast. Laut Marunduri sollen die missbrauchten Daten aus drei Quellen stammen, die derzeit noch untersucht werden; der Zugriff sei über Konten in sozialen Medien sowie über Telegram erfolgt. Abast zufolge verteilen sich die betroffenen Daten und Aktivitäten auf mehrere Regionen, darunter Jatim, Jawa Tengah, Jawa Barat und Kalimantan. Abast richtete zudem einen Appell an die Bevölkerung, NIK- und KK-Informationen sorgfältig vor fremdem Zugriff zu schützen.
Rechtlich ordnet die Polizei den Fall als besonders schwerwiegend ein. DS drohen nach Angaben von Marunduri erhebliche Konsequenzen nach dem indonesischen Gesetz über elektronische Informationen und Transaktionen (UU ITE): Der Strafrahmen soll bis zu 12 Jahre Haft oder Geldstrafen bis zu Rp 12 Mrd. reichen. Für weitere im Raum stehende Tatbestände nennt die Polizei Haftstrafen bis zu 9 Jahren sowie Geldbußen von Rp 2 Mrd.; die Behörden betonen damit, dass mehrere Deliktskomplexe zusammen betrachtet werden. Daneben heißt es, die Behörde habe für Hinweise eine Hotline unter 08811043007 eingerichtet. Für IT-Entscheider und Sicherheitsverantwortliche ist vor allem die praktische Dimension relevant: Wo Identitätsdaten missbraucht werden, entstehen bei späteren Registrierungen und Kontoaktivitäten oft Ketteneffekte, die sich ohne belastbare Konten- und SIM-Validierung schwer eindämmen lassen.
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