LONDON (IT BOLTWISE) – Der Skoda Peaq 90 tritt als großes Elektro-SUV mit bis zu sieben Sitzen an und verspricht nach WLTP bis zu 642 km Reichweite. Im Test lag der Fokus auf der voraussichtlich gefragtesten Variante mit 210 kW Heckantrieb und 86-kWh-Akku. Skoda kombiniert dabei den weiterentwickelten Elektrobaukasten MEB+ mit Funktionen wie bidirektionalem Laden und One-Pedal-Driving. Gleichzeitig zeigt der Fahrbericht: Beim Bedienkomfort und bei der Rekuperation bleibt noch Luft nach oben.

Skoda Peaq 90 im Test: Siebensitzer-Elektro-SUV mit MEB+ und 642 km
Skoda Peaq 90 im Test: Siebensitzer-Elektro-SUV mit MEB+ und 642 km (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Skoda Peaq 90 will die Lücke zwischen „großem Raumangebot“ und „noch akzeptabler Preislogik“ im Elektro-SUV schließen. Auf knapp 4,90 Meter Länge setzt das Modell nicht auf einen rein theoretischen Platzversprechen-Ansatz, sondern auf ein echtes Siebensitzer-Konzept: Im Testwagen saßen drei Reihen, und die zweite Reihe ließ sich in Längsrichtung um etwa zehn Zentimeter verschieben. Das ist im Alltag relevant, weil ein Familienauto selten nur eine Konfiguration kennt. Skoda nennt außerdem für den Fünfsitzer respektable Kofferraumgrößen und bleibt beim Siebensitzer bei 890 bis 2.075 Litern; selbst mit voller Belegung bleiben laut Datenblatt 299 Liter übrig. Dazu kommt ein 37-Liter-Frunk, der im Tagesbetrieb vor allem für Ladekabel, Kleinteile und saisonale Ausstattung praktisch sein kann.

Technisch ordnet sich der Peaq in eine neue Generation innerhalb des MEB-Ökosystems ein, die Skoda als MEB+ beschreibt. Wichtig ist dabei: MEB+ bedeutet bei Volkswagen-Tochter Skoda nicht nur eine „verkürzte“ MEB-Variante für den Frontantrieb, sondern eine Ausbaustufe mit Detailverbesserungen. Im Bericht werden als Beispiele bidirektionales Laden, One-Pedal-Driving sowie „wohl auch“ neue Motor- und Batterielösungen genannt. Beim Peaq 90 kommt das in einer klaren RWD-Logik an: Der Heckantrieb liefert 210 kW und 545 Nm Drehmoment, gespeist von einem 86-kWh-Akku netto. Skoda kombiniert das mit WLTP-Werten, die bis zu 642 km Reichweite erlauben; im Test lag der gemessene Verbrauch bei 15,5 kWh/100 km, was nahe an der Norm abhängen lässt, wie stark der Fahrstil und das Tempo die Effizienzkurve beeinflussen.

Das Fahrgefühl wird im Alltag vor allem durch die Kombination aus Leistungsreserve und Rekuperationskonzept geprägt. 545 Nm über einen breiten Bereich nehmen Überholmanöver spürbar den Stressfaktor, selbst wenn man nicht den typischen „Kurzstrecken-Flow“ fährt. One-Pedal-Driving klappt grundsätzlich, denn der Fahrer stellt den Modus über den Hebel rechts am Lenkrad auf „B“. Der Haken: Wippen zur feineren Rekuperationssteuerung fehlen serienmäßig; im Test war das nur in der Sportline-Version vorhanden. Außerdem folgt der eingestellte Rekuperationsgrad beim Peaq dem Muster „nur so lange, bis man wieder Gas gibt“ – im Sportmodus bleibt er zwar gleich, aber eine Einstellung, die bis zum Abstellen erhalten bleibt, hätte den Bedienkomfort spürbar erhöht. Dazu passt auch die Beobachtung bei den Fahrmodi: Über den Touchscreen erscheinen im Test vor allem Eco, Normal und Sport, Individual wirkt in den Menütiefen versteckt. Auf den ersten Blick ist das nicht dramatisch, aber für Nutzer, die täglich zwischen Komfort- und Effizienzprofil wechseln, zählt die Geschwindigkeit des Einstellens.

Auch die Bedienphilosophie und das Interieurdesign sind ein zentraler Teil der Peaq-Story. Beim Start muss man den klassischen Knopf nicht mehr drücken: Fürs Losfahren wird der Hebel auf „D“ gedreht, zum Abstellen genügt der „P“-Knopf am selben Hebel. Skoda setzt damit auf weniger Schritte in der typischen Nutzungsroutine. Das Infotainment basiert auf Android Automotive; dort wiederum fällt die Google-Earth-Satellitenansicht als grafisch starker Anker auf. Interessant ist der physische Aufbau: Der Touchscreen ist anders als bei Epiq, Elroq und Enyaq senkrecht montiert, mit dem Ziel, häufig genutzte Bedienfelder schnell per Handballenbedienung unterhalb der Kartenansicht zu erreichen. Beim Head-up-Display wiederum bleibt der Eindruck eher verhalten, und die Sprachbedienung wird als deutlich zu schwach beschrieben – selbst einfache Aufgaben wie das Öffnen von Fenstern oder Wissensfragen werden nicht sauber beantwortet.

Außen wie innen verfolgt der Peaq die neue Designsprache Modern Solid und übernimmt viel von der Epiq-Logik, nur mit eigener Konsequenz. Die T-förmige Lichtsignatur vorn und hinten sowie das schwarze Tech-Deck-Face prägen den Auftritt. Besonders auffällig sind die gebündelten Türgriffe, die sich offenbar über ein komplexitätsärmeres Sicherheitskonzept entschärfen lassen: Die Betätigung erfolgt mechanisch mit Bowden-Zügen, elektrisch wird nur das Ausfahren der Griffe gesteuert, wobei der Strom aus der Starterbatterie kommt. Fällt diese bei einem Unfall aus, sollen Kondensatoren in den Türen so viel Energie bereitstellen, dass das einmalige Ausfahren noch gelingt. Bei der Dynamik im Stadtbetrieb spielt der große Radstand von fast drei Metern in den Wendekreis hinein: Für den Peaq 90 nennt Skoda 9,9 Meter, bei der Allradversion 90x steigen sie auf 11,4 Meter. Der Test richtet den Fokus damit auf etwas, das im Segment oft unterschätzt wird: Wenn das Auto groß ist, muss es auch im Alltag „lenkbar“ bleiben.

Preislich versucht Skoda den Spagat aus Ausstattung und Zurückhaltung: Der Peaq 90 startet laut Bericht bei 57.900 Euro, in der genannten Basisversion „Selection“. Die Sportline-Aufpreispolitik wirkt dagegen weniger zwingend, weil im Bericht mehrere konkrete Komfortelemente zwar genannt werden, aber auch klar wird, dass der Kern des Nutzens bereits in der Seriennähe liegt. Dazu gehört beispielsweise das induktive Laden fürs Smartphone, das Abbiegelicht oder das Rundumsichtsystem – auf Wunsch, aber nicht zwingend. Kritischer wird es beim Punkt Rekuperationswippen: Wenn ein ansonsten gut ausgestattetes Fahrzeug sie nicht als Extra anbietet, verpasst Skoda aus Nutzersicht eine Stellschraube. Unterm Strich bleibt der Peaq 90 dennoch ein plausibler Vorschlag für Käufer, die Reichweite, Platz und ein modernes Bedienkonzept wollen, ohne in die Preisregion deutlich stärkerer Premiumkonkurrenz zu rutschen.

Für die nächste Ausbaustufe ist deshalb weniger „mehr Motorisierung“ relevant als vielmehr die Feinarbeit am Bedien- und Energiemanagement. Genau hier entscheidet sich, ob die MEB+-Versprechen im Alltag wirklich spürbar werden: One-Pedal-Driving ist vorhanden, aber die Rekuperationssteuerung wirkt noch nicht konsequent genug. Ebenso sollte die Sprachbedienung die Lücke zwischen „wir haben ein System“ und „wir lösen echte Aufgaben“ schließen. Wenn Skoda außerdem die angesprochene Schwäche beim Haubenverschlussproblem in Serienmodelle überführt, wäre das für den Langzeiteindruck ein gutes Signal. So oder so macht der Peaq 90 deutlich, dass die nächste Elektro-SUV-Generation nicht nur über Akkukapazitäten definiert wird, sondern über wie schnell und wie intuitiv sich Energie, Raum und Bedienlogik im täglichen Betrieb zusammensetzen.


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