SYDNEY / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie aus Australien zeigt, dass Übergewicht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nicht signifikant beeinflusst. Trotz steigender Fettleibigkeitsraten gibt es keine konsistenten Beweise für Diskriminierung bei der Einstellung. Die Forschung legt nahe, dass frühere Berufserfahrungen wichtiger sind als das Körpergewicht.

Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in Economics & Human Biology, untersucht die Auswirkungen von Übergewicht auf die Beschäftigungschancen in Australien. Die Forscher analysierten Langzeitdaten und fanden keine konsistenten Beweise dafür, dass übergewichtige oder fettleibige Personen bei der Einstellung diskriminiert werden. Diese Ergebnisse legen nahe, dass das Körpergewicht, wenn die berufliche Vorgeschichte berücksichtigt wird, kaum Einfluss auf die aktuellen Jobchancen hat.
Die Fettleibigkeitsraten sind weltweit in den letzten Jahrzehnten erheblich gestiegen. Allein in Australien wurden 2022 etwa ein Drittel der Erwachsenen als fettleibig eingestuft. Diese Zunahme des Körpergewichts bringt verschiedene Gesundheitsrisiken mit sich, wirft aber auch Fragen zu möglichen sozialen und wirtschaftlichen Konsequenzen auf.
Professor Pundarik Mukhopadhaya von der Macquarie Business School erklärt: „Die internationale Literatur zeigt im Allgemeinen, dass Übergewicht mit schlechteren Arbeitsmarktergebnissen verbunden ist, insbesondere mit geringeren Beschäftigungswahrscheinlichkeiten für Frauen. Diese Effekte spiegeln eher Diskriminierung und Stigmatisierung wider als allein die Produktivität.“ Die Motivation für diese Forschung ergab sich aus der zunehmenden Verbreitung von Übergewicht in Australien und dem Mangel an kausalen Beweisen dafür, wie es die Arbeitsmarktergebnisse beeinflusst.
Die Studie nutzte Daten aus der Household, Income and Labour Dynamics in Australia Survey, einem großen nationalen Projekt, das das wirtschaftliche und persönliche Wohlbefinden von Tausenden australischen Haushalten über viele Jahre hinweg verfolgt. Die Forscher konzentrierten sich auf Daten, die zwischen 2006 und 2019 gesammelt wurden, und schlossen absichtlich die Zeit vor der Pandemie aus, um ungewöhnliche Beschäftigungsstörungen zu vermeiden.
Die endgültige Analyse umfasste bis zu 10.233 einzigartige Personen im Alter von 25 bis 54 Jahren, was zu insgesamt 76.307 separaten Umfragebeobachtungen über den dreizehnjährigen Beobachtungszeitraum führte. Um die Daten genau auf die allgemeine Erwerbsbevölkerung abzustimmen, wurden Vollzeitstudenten und schwangere Frauen ausgeschlossen.
Zur Messung der Körpermasse berechneten die Wissenschaftler den Body-Mass-Index (BMI) jedes Teilnehmers. Die Teilnehmer wurden basierend auf den Richtlinien der Weltgesundheitsorganisation in Kategorien von untergewichtig bis stark fettleibig eingeteilt. Die Forscher erfassten, ob jede Person in jedem Umfragejahr beschäftigt oder arbeitslos war, und kontrollierten eine Vielzahl persönlicher Merkmale, um den spezifischen Effekt der Körpermasse zu isolieren.
Die Forscher verwendeten zwei verschiedene mathematische Ansätze zur Analyse dieses umfangreichen Datensatzes. Der anfängliche Ansatz ging davon aus, dass nicht gemessene persönliche Merkmale auf vorhersehbare, lineare Weise funktionieren und dass die Körpermasse einer Person unabhängig wirkt, ausschließlich als Ursache und nicht als Folge ihres Beschäftigungsstatus. Unter diesen spezifischen Bedingungen deutete das vorläufige Modell darauf hin, dass Personen mit höherer Körpermasse etwas weniger wahrscheinlich beschäftigt waren.
Um das Problem der umgekehrten Kausalität zu adressieren, bei dem Arbeitslosigkeit zu Gewichtszunahme führen kann, wandten die Wissenschaftler eine fortschrittlichere statistische Technik an, die als Generalized Method of Moments bekannt ist. Diese Methode entspannte die strengen mathematischen Regeln und berücksichtigte die Möglichkeit, dass Arbeitslosigkeit zu Gewichtszunahme führen könnte. Mit diesem nuancierteren Ansatz fanden die Forscher keine statistische Verbindung zwischen Übergewicht und Beschäftigung.
Die Ergebnisse blieben konsistent, unabhängig davon, ob selbstständige Arbeiter einbezogen wurden oder nicht. Auch bei der Aufteilung der Daten nach Geschlecht fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass schwerere Männer oder Frauen in Australien weniger wahrscheinlich beschäftigt waren. Die Wissenschaftler untersuchten auch die Idee der gesundheitsbezogenen Produktivität und fanden nur sehr schwache Beweise dafür, dass gesundheitliche Produktivität die Beziehung zwischen Körpergewicht und Beschäftigung beeinflusst.
Obwohl die Studie einen detaillierten Blick auf den australischen Arbeitsmarkt bietet, gibt es einige potenzielle Einschränkungen zu berücksichtigen. Die Ergebnisse zeigen, wie empfindlich wirtschaftliche Forschung gegenüber den spezifischen mathematischen Modellen ist, die gewählt werden. Die Studie stützte sich auch auf selbstberichtete Größen und Gewichte, was zu subjektiven Verzerrungen führen kann. Trotz der fehlenden statistischen Signifikanz in den endgültigen Modellen warnen die Forscher davor, das Thema vollständig zu ignorieren.
In Zukunft hofft das Forschungsteam, ihre Untersuchung auszuweiten, um zu sehen, wie sich das Körpergewicht auf andere berufliche Ergebnisse auswirkt. Sie hoffen, dass ihre Arbeit zu umfassenderen globalen Untersuchungen inspiriert.
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