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WASHINGTON / LONDON (IT BOLTWISE) – US-Abgeordnete werfen der American Psychological Association vor, Antisemitismus in Teilen der Organisation zu tolerieren. Das Dokument stützt sich auf eine Untersuchung, die im Dezember 2025 gestartet wurde, und verweist unter anderem auf Kritik an Resolutionen, Journal-Publikationen und internen Kommunikationswegen. Parallel hat ein Bildungsausschuss der US-Regierung eine einjährige Suspendierung der staatlich anerkannten Akkreditierungsrolle der APA-Kommission empfohlen, eine finale Entscheidung steht jedoch noch aus.

US-Abgeordneten-Kritik: Vorwürfe gegen APA wegen Antisemitismus-Vorbereitung und Kultur
US-Abgeordneten-Kritik: Vorwürfe gegen APA wegen Antisemitismus-Vorbereitung und Kultur (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Debatte um Antisemitismus in der US-Fachwelt der Psychologie erhält politischen Rückenwind: Ein Bericht von Republikanern aus dem US-Kongress-Umfeld, federführend über den Education-and-Workforce-Ausschuss, macht die American Psychological Association (APA) für eine aus Sicht der Autoren unzureichend adressierte Problemlage verantwortlich. Zentral ist der Vorwurf, innerhalb der Organisation hätten sich über Jahre Formen von Antisemitismus verfestigt, während zugleich anti-israelische Aktivisten „begünstigt“ und die Anliegen jüdischer Psychologinnen und Psychologen abgewiesen worden seien. Der Bericht beschreibt dazu die Einflussnahme sogenannter „radikaler“ aktivistisch geprägter akademischer Akteure, nennt als Ergebnispolitiken unter anderem die Herabwürdigung von Sorgen über Gewalt durch Hamas und die Darstellung jüdischer Menschen als „white oppressors“.

Die APA weist die Vorwürfe in einer formalen Reaktion zurück und betont laut der Darstellung in dem Bericht, man verurteile Antisemitismus in all seinen Formen uneingeschränkt. In dem Kontext werden außerdem Maßnahmen genannt, die der Vereinigung zufolge darauf abzielen, jüdische Mitglieder – wie alle Mitglieder – in der Organisation vollständig und sicher zu integrieren. Gleichzeitig verweist der Kongressbericht auf die eigene zeitliche Abfolge: Das Papier verweist auf eine im Februar 2026 verabschiedete Resolution gegen Antisemitismus sowie auf ein Schwerpunktheft des Flaggschiffs „American Psychologist“ im Zeitraum Mai bis Juni 2026, das sich ausdrücklich mit „Antisemitism and Psychology“ beschäftigt. Die Kritik der Abgeordneten zielt dabei weniger auf das „Ob“ von Beschlüssen, sondern auf deren konkrete Ausgestaltung und Wirksamkeit.

Parallel zur Parlamentseskalation läuft ein regulatorischer Prüfstrang im Bildungsbereich. Ein beratendes Gremium zur Akkreditierung im US-Bildungsministerium hat mit 7 zu 4 Stimmen empfohlen, die staatliche Anerkennung der APA-Akkreditierung für ein Jahr auszusetzen. Die Begründung bezieht sich dabei auf die Auffassung, dass eine durchgängige, kulturell verankerte Problemlage nicht ausreichend bearbeitet worden sei; ebenso wurden Bedenken in Bezug auf die Unterstützung eines „decolonial therapy“-Ansatzes geäußert. Auf der Gegenseite hat die APA in einem veröffentlichten Schreiben erklärt, die Empfehlung werde nicht akzeptiert und die zuständige Stelle solle die Akkreditierung der Kommission wieder aufnehmen. Zudem bestreitet die APA nach Angaben aus dem Bericht das Ausmaß einer „pervasiven“ Kultur und verweist auf die Zahl gemeldeter antisemitischer Beschwerden in akkreditierten Programmen; eine finale Entscheidung des Ministeriums steht indes noch aus, der Zeitplan soll laut Bericht in den kommenden Monaten folgen.

Besonders detailreich wird im Kongressbericht die interne Kommunikation rund um die Terrorangriffe vom 7. Oktober 2023 auf Israel. Laut den im Dokument beschriebenen Erkenntnissen hätten APA-Führungskräfte bei der Formulierung öffentlicher Aussagen einen angegliederten psychologischen Verband konsultiert, der in dem Bericht als AMENA-Psy bezeichnet wird. Die Auswertung umfasst dabei auch interne Hinweise zu Sprache und Deutung: Der Bericht behauptet unter anderem, dass die endgültig veröffentlichte Position auf den Terrorakten nicht direkt auf den Begriff „terrorism“ verwiesen habe, während die Stellungnahmen des angegliederten Verbandes den Anschlag als „resistance action“ rahmten. Zusätzlich führen die Autoren Beispiele an, in denen Mitarbeitende in internen E-Mails Vergleichsanker gesetzt oder antisemitismusbezogene Meldungen relativiert hätten; in einem Fall wird etwa die Äußerung thematisiert, die den Anschlag gegen Israel sinngemäß mit dem Tod von George Floyd in Beziehung setzte. Weil der Bericht diese Punkte als Beleg für eine problematische Führungskultur heranzieht, ist zugleich wichtig: Es handelt sich dabei um Vorwürfe der Abgeordneten, während die APA die Gesamtaussage zurückweist.

Die Auseinandersetzung verschiebt sich zudem von internen Kommunikationsfragen hin zu wissenschaftspolitischen Inhalten. Der Bericht macht die APA-Führung dafür verantwortlich, „decolonial psychology“ zu befürworten, und beschreibt diesen Ansatz als theoretisches Rahmenwerk, das Israel als illegitimen „settler-colonial state“ einordnet, „gewaltsamen Widerstand“ rechtfertigen könne und Zionismus als psychische Fehlentwicklung pathologisiere. In dem Bericht wird dies an Publikationen aus dem Jahr 2025 festgemacht, unter anderem an einem Beitrag im Umfeld der „decolonial psychology“-Sonderausgabe des „American Psychologist“. Zudem wird ein weiterer Konflikt geschildert: Ein Redakteur habe nach Auffassung der Abgeordneten das in der Sonderausgabe enthaltene „Decolonial Love“-Stück kritisiert und damit den wissenschaftlichen Anspruch verletzt gesehen; später sei dann das Antisemitismus-Schwerheft veröffentlicht worden. Auch wenn solche Veröffentlichungsentscheidungen nicht automatisch eine Schlussfolgerung über das gesamte Vereinsverhalten erlauben, zeigt der Streit, wie eng in Fachgesellschaften wissenschaftliche Deutung, Governance und Community-Management miteinander verflochten sind.

Für die Praxis in Hochschulen und Kliniken ist die politische Dynamik nicht nur eine Debatte über Narrative, sondern wirkt auf konkrete Strukturen. Akkreditierungsrollen beeinflussen, welche Ausbildungsprogramme anerkannt werden und damit den Zugang zu professionellen Qualifikationswegen; eine Suspendierung würde diese Kette spürbar unterbrechen. Gleichzeitig können an solchen Konflikten Beschwerden, Mitgliedsrechte und Weiterbildungsformate hängen: Der Bericht beschreibt etwa, dass die APA weiterhin Fortbildungscredits für Sitzungen zugelassen habe, die von bestimmten Personen moderiert wurden, und führt auch den Umgang mit Foren in Mitglieder-Listen („listservs“) an. Laut dem Bericht will die APA künftig solche Foren nicht mehr selbst hosten und stattdessen alternative Online-Bereiche nutzen, um Inhalte besser zu überwachen und Verstöße gegen Richtlinien gezielter zu entfernen. Damit wird deutlich, dass Governance-Mechanismen in Fachverbänden in Krisenfällen häufig vom „Prinzip des offenen Diskurses“ hin zu restriktiveren Kontroll- und Moderationsmodellen kippen.

Auch die Diskussion über Resolutionen und interne Anerkennungsstrukturen wird als weiterer Konfliktpunkt aufgegriffen. Eine im Februar 2026 überarbeitete Resolution gegen Antisemitismus sei nach Darstellung des Berichts zwar im Gremium der Council of Representatives mit deutlicher Mehrheit beschlossen worden, jedoch hätten kritische Stimmen den Text als „watered-down“ eingestuft. Im selben Zeitraum wird zudem die Auseinandersetzung um die Anerkennung einer jüdischen psychologischen Ethnic Psychological Association als eigenes Pendant zu anderen ethno-kulturellen Gruppen geschildert. Berichte über Gegenargumente beziehen sich dabei unter anderem auf die Befürchtung, bestehende Bündnisse über marginalisierte Gruppen hinweg könnten geschwächt werden, falls Anerkennung ohne klar definierte politische Solidaritätslinien erfolgt. Für Entscheidungsträger in Organisationen bedeutet das: Sobald Sprache, Veröffentlichungen und institutionelle Anerkennung miteinander kollidieren, reicht ein formaler Beschluss häufig nicht mehr aus; es braucht überprüfbare Kommunikations-, Beschwerde- und Moderationsprozesse, die innerhalb der Mitgliedschaft Vertrauen schaffen.

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