LINKÖPING / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass Menschen mit psychotischen Störungen ihre eigenen Sinneseindrücke anders verarbeiten als gesunde Personen. Diese Veränderungen betreffen nicht nur das Gehirn, sondern auch das Rückenmark und könnten die grundlegende Selbstwahrnehmung beeinflussen.

Eine aktuelle Studie legt nahe, dass Menschen mit psychotischen Störungen, wie Schizophrenie, ihre eigenen Sinneseindrücke anders verarbeiten als gesunde Personen. Diese veränderte Verarbeitung findet nicht nur im Gehirn, sondern auch auf der Ebene des Rückenmarks statt und könnte die grundlegende Selbstwahrnehmung beeinflussen. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Molecular Psychiatry, bieten einen tieferen Einblick in die biologischen Grundlagen von Selbststörungen bei Psychosen.
Psychotische Störungen sind oft durch eine gestörte Selbstwahrnehmung gekennzeichnet, die sich in Symptomen wie Halluzinationen oder Wahnvorstellungen äußern kann. Forscher vermuten seit langem, dass diese komplexen Symptome aus grundlegenden Schwierigkeiten bei der Verarbeitung körperlicher Signale resultieren könnten. Ein Team von Wissenschaftlern der Universität Linköping in Schweden untersuchte, wie das Nervensystem selbst erzeugte Empfindungen im Vergleich zu externen Reizen verarbeitet.
Die Forscher führten Experimente mit 35 Patienten mit psychotischen Störungen und 35 gesunden Kontrollpersonen durch. Dabei wurden neuronale und Verhaltensreaktionen auf Berührungen und innere Körpersignale gemessen. Eine der Studienmethoden umfasste funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT), um die Gehirnaktivität zu messen, während die Teilnehmer sanfte Berührungen an ihrem linken Unterarm erhielten oder selbst ausführten.
Die Ergebnisse zeigten, dass bei Patienten mit Psychosen eine Gehirnregion, der rechte obere Temporallappen, bei Selbstberührung signifikant stärker aktiviert war als bei der Kontrollgruppe. Bei gesunden Personen zeigt das Gehirn normalerweise eine reduzierte Aktivität als Reaktion auf Selbstberührung, da die Empfindung vorhersehbar ist. Die erhöhte Aktivierung bei den Patienten deutet auf eine Diskrepanz zwischen der Vorhersage des Gehirns und den tatsächlich empfangenen sensorischen Informationen hin.
Um die sensorische Verarbeitung auf einer noch früheren Stufe zu untersuchen, verwendeten die Forscher eine Technik zur Messung somatosensorisch evozierter Potenziale. Diese Methode beinhaltet die Abgabe kleiner, nicht schmerzhafter elektrischer Impulse an einen Nerv in der Hand und die Aufzeichnung der Geschwindigkeit und Stärke dieses Signals, während es das Rückenmark hinauf zum Gehirn wandert.
In der Kontrollgruppe gab es einen messbaren Unterschied in der Signalzeit am Rückenmark zwischen Selbst- und Fremdberührung. Bei der Patientengruppe war dieser Unterschied signifikant kleiner, was darauf hindeutet, dass die Fähigkeit, zwischen Selbst und Fremd zu unterscheiden, auf einer sehr grundlegenden Ebene des Nervensystems verändert sein könnte.
Ein weiteres Experiment untersuchte die Interozeption, das heißt das Empfinden des inneren Körperzustands. Die Teilnehmer führten eine Herzschlagerkennung durch, bei der sie versuchten, einen Knopf im Takt ihres eigenen Herzschlags zu drücken, ohne ihren Puls zu fühlen. Die Patienten waren in dieser Aufgabe weniger genau als die Kontrollen, was auf spezifische Schwierigkeiten bei der Wahrnehmung interner Signale hinweist.
Die Forscher fanden heraus, dass das Ausmaß der Veränderung in den berührungsbezogenen Messungen mit der Schwere bestimmter Symptome korrelierte und die Gehirnaktivität während der Selbstberührung ein starker Prädiktor für die Gruppenzugehörigkeit war. Diese Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung der Fähigkeit, zwischen ‘Selbst’ und ‘Anderen’ zu unterscheiden, als Grundlage unserer Selbsterfahrung.
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