SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine neue Studie zeigt, dass die Nutzung von Social Media mit physischen Unterschieden im Gehirn junger Jugendlicher verbunden ist. Insbesondere wurde festgestellt, dass Kinder, die mehr Zeit auf digitalen Plattformen verbringen, eine dünnere äußere Schicht des Gehirns in Bereichen aufweisen, die für Aufmerksamkeit, Gedächtnis und emotionale Kontrolle verantwortlich sind.

Die Nutzung von Social Media ist ein allgegenwärtiges Phänomen, insbesondere unter jungen Jugendlichen, die zunehmend Zugang zu Smartphones und digitalen Plattformen erhalten. Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift NeuroImage, hat nun einen Zusammenhang zwischen der Zeit, die Jugendliche auf Social Media verbringen, und physischen Veränderungen in ihrem Gehirn festgestellt. Diese Veränderungen betreffen insbesondere die Dicke der äußeren Schicht des Gehirns, der sogenannten Großhirnrinde, in Bereichen, die für kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit und Gedächtnis zuständig sind.
Die Forschung basiert auf Daten der Adolescent Brain Cognitive Development Study, einer groß angelegten Untersuchung, die die Gehirnentwicklung von Jugendlichen im Alter von 10 bis 13 Jahren analysiert. Mithilfe von struktureller Magnetresonanztomographie (MRT) wurden detaillierte Bilder der Gehirne von 7.614 Kindern aufgenommen. Diese Bilder ermöglichten es den Forschern, die physikalischen Eigenschaften der Großhirnrinde zu messen und mit den selbst berichteten Social-Media-Gewohnheiten der Teilnehmer zu vergleichen.
Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere durchschnittliche tägliche Nutzung von Social Media signifikant mit einer dünneren Großhirnrinde verbunden ist. Besonders betroffen sind Bereiche innerhalb der Stirn-, Schläfen-, Hinterhaupts- und Scheitellappen, die mit exekutiven Funktionen, visueller Verarbeitung und Aufmerksamkeitssteuerung in Verbindung stehen. Diese Erkenntnisse werfen Fragen auf, ob die beobachteten Unterschiede eine Folge der Social-Media-Nutzung sind oder ob sie eine prädisponierende Rolle spielen.
Interessanterweise fanden die Forscher keine signifikanten physischen Gehirnunterschiede, die mit einer Sucht nach Social Media verbunden sind. Die physischen Variationen standen ausschließlich im Zusammenhang mit der Menge der auf den Plattformen verbrachten Zeit. Dies deutet darauf hin, dass die beobachteten Veränderungen eher mit der allgemeinen Nutzung als mit suchtähnlichen Verhaltensmustern zusammenhängen.
Die Studie hebt hervor, dass die natürliche Ausdünnung der Großhirnrinde ein normaler Teil der Gehirnentwicklung bei Jugendlichen ist, bekannt als synaptisches Pruning. Diese natürliche Reduktion von ungenutzten neuronalen Verbindungen verbessert die Effizienz des Gehirns. Eine übermäßige oder beschleunigte Ausdünnung kann jedoch auf eine abnormale Entwicklung hinweisen und wurde in früheren Studien mit Schwierigkeiten bei der emotionalen Regulation und einem höheren Risiko für psychiatrische Erkrankungen in Verbindung gebracht.
Die Forscher planen, die Teilnehmer über mehrere Jahre hinweg zu beobachten, um zu klären, ob die Nutzung von Social Media die Gehirnveränderungen beschleunigt oder ob bestehende Gehirnunterschiede die Social-Media-Gewohnheiten beeinflussen. Diese langfristige Herangehensweise soll helfen, die Richtung dieser Assoziationen zu verstehen und mögliche langfristige Verhaltenskonsequenzen zu identifizieren.
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