MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Westwing hat im zweiten Quartal 2026 ein Bruttowarenvolumen (GMV) von 127 Mio. EUR erreicht und damit das Wachstum auf 15% im Jahresvergleich getrieben. Der Umsatz stieg um 14% auf 113 Mio. EUR, während das bereinigte EBITDA bei 5,4 Mio. EUR lag und vor allem durch Margendruck sowie Einmaleffekte aus einer Software-Migration belastet wurde. Gleichzeitig zeigt der Free Cashflow mit -9,4 Mio. EUR deutlich die Auswirkungen von Abwicklungen im Zusammenhang mit Aktienoptionsprogrammen. Für 2026 bestätigt das Unternehmen die Prognose, rechnet aber derzeit mit einem Umsatz in der oberen Hälfte der Spanne.

Westwing liefert im zweiten Quartal 2026 ein klares Wachstumsbild: Das Bruttowarenvolumen (GMV) stieg auf 127 Mio. EUR und wuchs damit um 15% gegenüber dem Vorjahr. Dabei verlief die Entwicklung nicht einseitig, sondern über mehrere Stellschrauben hinweg. Das GMV im DACH-Segment legte um 9% zu, während das internationale Segment sogar 22% zulegte. Auch das Portfolio gab Rückenwind: Die Westwing Collection steigerte ihr GMV um 11%, und das Wachstum der Drittmarken lag nach Angaben des Unternehmens bei 23%.
Technisch und operativ lässt sich die Performance vor allem über die Kombination aus Länderausbau und wiederkehrenden Sales-Events erklären. Westwing betont, dass die Umsatzentwicklung erneut stark von der Expansion in neue Länder sowie von stärker frequentierten, wiederkehrenden Sales-Events geprägt war. Genau an dieser Stelle wird auch sichtbar, warum der Umsatz stärker wuchs als die Marge: Der Umsatz lag bei 113 Mio. EUR (+14% im Jahresvergleich), doch das bereinigte EBITDA sank auf 5,4 Mio. EUR (nach 6,2 Mio. EUR im Q2 2025). Die bereinigte EBITDA-Marge lag bei 4,8% und damit spürbar unter dem Vorjahr.
Die Ergebnisqualität im Quartal wird besonders durch zwei Faktoren beschrieben. Erstens nennt Westwing makroökonomisch bedingten Druck auf die Deckungsbeitragsmarge, unter anderem im Kontext steigender Transportkosten infolge höherer Kraftstoffpreise sowie einer veränderten Nachfragestruktur. Zweitens wirken negative Einmaleffekte, die im Zusammenhang mit der Umstellung auf neue Auftragsmanagement- und Lagerverwaltungssysteme entstanden sind. Interessant ist dabei die konkrete Richtung der Veränderung: Westwing stellt auf SaaS-basierte Lösungen um, was mittelfristig zwar Stabilität und Skalierbarkeit erhöhen kann, kurzfristig aber Migrationseffekte, Schnittstellenrisiken und Anpassungsaufwände mit sich bringt.
Noch deutlicher als in der Gewinnrechnung schlagen sich die Umstellungen in der Liquiditätsbetrachtung nieder. Der Free Cashflow lag im Q2 bei -9,4 Mio. EUR, nachdem bereits ein Mittelabfluss von 9,5 Mio. EUR für die Abwicklung älterer Aktienoptionsprogramme angefallen war. Gleichzeitig blieb die Netto-Cash-Position zum Ende Juni 2026 mit 68 Mio. EUR stark und lag damit 18 Mio. EUR über dem Vorjahreswert. Das Nettoumlaufvermögen war erneut negativ, verbesserte sich jedoch um 11 Mio. EUR auf -5,5 Mio. EUR; als wichtigste Treiber nennt Westwing unter anderem die Entwicklung der Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen gegenüber dem Vorjahr sowie ein effizienteres Bestandsmanagement.
Damit rückt der dreistufige Wertsteigerungsplan wieder stärker in den Vordergrund, weil er versucht, Wachstum, Marge und operative Effizienz in einem engen Takt zusammenzubringen. Westwing berichtet über zusätzliche Fortschritte: Das Unternehmen expandierte in drei weitere Länder, eröffnete neue Stores in Frankfurt und verlegte den Münchner Store an den endgültigen Standort. Dazu kommt die technische Komponente der Transformation, denn die Umstellung von einem veralteten Auftragsmanagement- und Lagerverwaltungssystem auf SaaS-Lösungen wurde abgeschlossen. Ergänzt wird das durch das Aktienrückkaufprogramm: Es wurde Ende Juli beendet, nachdem das maximale Investitionsvolumen von 8 Mio. EUR erreicht und 512.118 Aktien zurückgekauft wurden.
Für das Gesamtjahr 2026 bestätigt Westwing die Prognose, hält sich aber mit Blick auf das zweite Halbjahr bewusst zurück. Der Umsatz soll zwischen 470 Mio. EUR und 495 Mio. EUR liegen, bei einer Wachstumsrate von +5% bis +10% gegenüber dem Vorjahr. Das Management geht aktuell davon aus, dass der Umsatz eher in der oberen Hälften dieser Spanne ankommen wird. Beim bereinigten EBITDA erwartet das Unternehmen 36 Mio. EUR bis 48 Mio. EUR, mit einer bereinigten EBITDA-Marge zwischen +7,7% und +9,7%. In der Guidance werden zugleich vorübergehende Belastungen berücksichtigt: Der Konflikt im Nahen Osten soll die Verbraucherstimmung in Europa beeinträchtigen, außerdem bleibt Kostendruck durch erhöhte Energie- und Kraftstoffpreise möglich, der sich nicht zwingend sofort abbauen dürfte.
Unter dem Strich zeigt der Quartalsbericht eine typische Dilemma-Situation für wachstumsstarke E-Commerce-Player: Westwing kann die Nachfrage über internationale Expansion und wiederkehrende Promotions aktivieren, während gleichzeitig Logistik- und Systemthemen den kurzfristigen Ergebnishebel dämpfen. Genau deshalb ist die Liquiditätssteuerung entscheidend: Der Free Cashflow war im Q2 stark negativ, aber das Unternehmen weist eine solide Netto-Cash-Position aus und nennt klare Ursachen im Bereich der Optionenabwicklung. Wenn die SaaS-Migration wie geplant in den Alltag übergeht und sich der Margendruck normalisiert, dürfte der Fokus 2026 entsprechend stärker auf Stabilisierung von Deckungsbeiträgen und Skalierung der Logistikkette liegen.
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