EDMONTON / LONDON (IT BOLTWISE) – Eine Studie an kanadischen Militärangehörigen, Einsatzkräften und Klinikpersonal zeigt messbare Verbesserungen bei PTSD, Depression und Angst nach 10 bis 14 Wochen 3MDR-Therapie. Die Teilnehmenden liefen dabei auf einem Laufband auf persönlich ausgewählte, traumbezogene virtuelle Szenen zu. Die Effekte waren auch 12 Monate nach Therapieende noch sichtbar. Gleichzeitig bleibt wegen fehlender Kontrollgruppe unklar, wie stark die Verbesserungen tatsächlich auf 3MDR zurückgehen.

3MDR-Therapie mit VR-Laufband reduziert PTSD-Symptome bei kanadischen Einsatzkräften
3MDR-Therapie mit VR-Laufband reduziert PTSD-Symptome bei kanadischen Einsatzkräften (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) arbeitet, kennt das Kernproblem vieler Betroffener: Erinnerungen werden nicht nur als schmerzhaft erlebt, sondern führen häufig auch zu ausgeprägtem Vermeidungsverhalten. Genau dort setzt die hier betrachtete Therapie an – Multimodal Motion-Assisted Memory Desensitization and Reconsolidation, kurz 3MDR. Das Konzept kombiniert Bausteine aus Expositionstherapien und aus Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) mit einem zusätzlichen, körperlich spürbaren Element: Gehen auf einem Laufband in Verbindung mit einer immersiven virtuellen Umgebung. So soll es leichter werden, traumbezogene Inhalte anzusteuern, statt ihnen auszuweichen – ein Ansatz, der insbesondere für Menschen relevant ist, die auf klassische, traumafokussierte Behandlungen nicht ausreichend ansprechen.

Technisch betrachtet besteht 3MDR aus einer Sequenz, in der Bewegung und sensorische Einbettung nicht als Nebeneffekt verstanden werden, sondern als Teil des therapeutischen Arbeitswegs. Während der Behandlung laufen Patientinnen und Patienten auf dem Laufband in Richtung persönlich ausgewählter Bilder, die mit den eigenen traumatischen Erlebnissen verknüpft sind. Ergänzend werden Musik und weitere Hinweise eingesetzt, um gezielt Erinnerungen und Emotionen zu aktivieren. In der therapeutischen Begleitung werden die auftauchenden Inhalte – Erinnerungen, Gedanken, Gefühle sowie körperliche Reaktionen – beschrieben, statt belastendes Material zu vermeiden. Danach kommt ein Aufmerksamkeits-Element zum Einsatz: Eine Aufgabe mit Augenbewegungen wird durchgeführt, während die traumbezogene Erinnerung aktiv bleibt, mit dem Ziel, die weitere Verarbeitung zu unterstützen und die emotionale Intensität zu reduzieren.

Die Studie liefert dafür Daten aus einem realen Versorgungsumfeld in Kanada. Behandelt wurden insgesamt 48 Personen, nachdem ursprünglich 56 Teilnehmende rekrutiert worden waren und acht Personen aus verschiedenen Gründen von der Analyse ausgeschlossen wurden. Das Durchschnittsalter lag bei 45,4 Jahren, 24 Teilnehmende waren Frauen. Die Gruppe setzte sich aus 17 kanadischen Militärangehörigen bzw. Veteranen, 21 Einsatzkräften des öffentlichen Sicherheitsbereichs (etwa Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienste) und 21 Beschäftigten im Gesundheitswesen zusammen. Alle zeigten klinisch relevante PTSD-Symptome; 22 erfüllten zusätzlich Kriterien für treatment-resistant PTSD. Besonders auffällig ist, dass darin sämtliche 17 Militärangehörigen und Veteranen enthalten waren – also genau die Zielpopulation, für die 3MDR ursprünglich entwickelt wurde.

Inhaltlich wurde die Therapie über 10 bis 14 Wochen umgesetzt, durchgeführt am Edmonton Operational Stress Injury Clinic (EOSIC) oder an drei klinischen Forschungsstandorten. Dazu zählten die Hauptstelle der University of Alberta in Edmonton, Alberta Hospital Edmonton sowie ein für Forschung genutzter Bereich an der University of Calgary im Zentrum von Calgary. Zur Evaluation kamen zu Beginn und am Ende der Behandlung die CAPS-5-Interviews zum Einsatz, eine klinische Erhebung zur Erfassung von PTSD-Symptomen. Für die Nachbeobachtung standen 30 Teilnehmende bereit, die CAPS-5 zusätzlich nach 3, 6 und 12 Monaten beantworteten. Parallel wurden zu Studienbeginn und nach bestimmten Sitzungen Maße für Depression, Angst sowie Schwierigkeiten im Bereich der Lebensfunktionalität erfasst; die Resilienz wurde vor und nach dem Therapiezeitraum ebenfalls erhoben.

Die Ergebnisse zeigen Verbesserungen über mehrere Dimensionen hinweg. Nach Abschluss der 3MDR-Therapie verbesserten sich die PTSD-Symptome ebenso wie Depressions- und Angstsymptome sowie die Schwierigkeiten mit der Lebensfunktionalität. Entscheidend ist dabei die Dauer: Die Verbesserungen waren auch noch 12 Monate nach dem Ende der Behandlung vorhanden. Zusätzlich nahm die Resilienz von vor zu nach der Therapie zu. Damit liefert die Arbeit nicht nur kurzfristige Effekte, sondern auch Hinweise auf eine Stabilisierung, was für Arbeitgeber und Gesundheitssysteme besonders relevant ist, wenn es um Rückkehr in Alltag, Beruf und soziale Rollen geht.

Gleichwohl ist die Aussagekraft in einem zentralen Punkt eingeschränkt: Die Studie enthält keine Kontrollgruppe. Zwar wird beschrieben, dass aufgrund erwartbarer Terminverzögerungen ein natürliches Waitlist-Design entstanden wäre, was am Ende aber nicht zustande kam. Dadurch bleibt unklar, wie viel von den beobachteten Verbesserungen tatsächlich auf 3MDR zurückzuführen ist und wie viel auf natürliche Symptomverläufe über Zeit oder auf Faktoren, die nicht direkt mit dem spezifischen Therapieprotokoll zusammenhängen. Für die Praxis heißt das: 3MDR wirkt in dieser Kohorte vielversprechend, aber die Evidenzqualität für eine klare Wirksamkeitszuweisung gegenüber Alternativen bleibt vorerst hinter dem zurück, was kontrollierte Studien leisten könnten.

Für die Einordnung in die Versorgungsrealität ist aber genau diese Zielgruppe ein starkes Argument. 3MDR wurde bereits für militärbezogene PTSD sowie besonders für Fälle entwickelt, in denen zwei oder mehr vorherige Therapieversuche ohne Erfolg blieben. Dass nun auch öffentliche Sicherheitskräfte und medizinisches Personal einbezogen wurden, ist nicht nur organisatorisch interessant, sondern auch konzeptionell stimmig: In vielen dieser Rollen treffen langanhaltende Belastungen und wiederholte Exposition auf reduzierte Ressourcen, was Vermeidung und emotionale Überflutung begünstigen kann. In der Praxis könnten 3MDR-nahe Ansätze deshalb dort ansetzen, wo herkömmliche traumafokussierte Programme zwar verfügbar sind, die Ansprechrate aber begrenzt bleibt – vorausgesetzt, zukünftige Studien belegen die Effekte unter kontrollierten Bedingungen und klären, welche Patientengruppen besonders profitieren.


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