LONDON (IT BOLTWISE) – Neue Analysen ordnen die als „TeamPCP“ bekannte Gruppe in eine Entwicklung ein, die bereits ab 2020 zu beobachten ist. Zuvor standen demnach internetexponierte Systeme wie Redis-Server und Cloud-Umgebungen im Fokus, bevor später Software-Supply-Chain-Angriffe in den Vordergrund rückten. Für 2025 werden zwei Kampagnen beschrieben, darunter ShadowRay 2.0 mit KI-Infrastruktur als Ausbreitungsbasis und TA-NATALSTATUS gegen exponierte Redis-Instanzen. Besonders relevant: Die Täter kombinieren wiederkehrende Schwachstellen aus dem React-, Docker-, Redis- und Ray-Umfeld mit automatisierten, „wormable“ Techniken zur Selbstverbreitung.

Die als „TeamPCP“ bekannte Cybercrime-Gruppe wirkt auf den ersten Blick wie ein neues Phänomen, doch eine aktuelle Auswertung verschiebt das Bild deutlich nach hinten: Laut den vorliegenden Analysen begann die Aktivität bereits mindestens 2020. Damit passt es nicht mehr zur Erzählung, dass erst Ende 2025 ein neuer Akteur „auftauchte“, sondern eher zu einer fortlaufenden Nutzung eines bestehenden Operations-Ökosystems. Auffällig ist dabei der wiederkehrende Fokus auf internetexponierte Infrastruktur – und das lange vor dem später sichtbar werdenden Schritt in Richtung Software-Supply-Chain-Manipulation.
Technisch lassen sich die Zusammenhänge unter anderem über überlappende Domänen, Malware-Deployments und typische Staging-Techniken nachverfolgen. In den beschriebenen Kampagnen aus der zweiten Jahreshälfte 2025 tauchen zwei Muster besonders klar auf: ShadowRay 2.0 (auch als IronErn geführt) soll KI-Infrastruktur in eine selbstpropagierende Botnet-Struktur hineingezogen haben. Parallel dazu richtete sich TA-NATALSTATUS gegen exponierte Redis-Server, um Kryptowährungs-Miner auszuliefern. Entscheidend ist die Argumentationslinie, dass TA-NATALSTATUS eine Weiterentwicklung einer früheren Redis-bezogenen Kampagne darstellt, die bereits im April 2020 beschrieben wurde, also offenbar auf bewährten Angriffspfaden aufsetzt – statt bei null zu beginnen.
Diese Kontinuität zeigt sich auch in der Wahl der Einstiegstore: Spätere Hinweise deuten darauf hin, dass die Angreifer zunächst Schwachstellen in Komponenten rund um React Server Components (RSC) und Next.js ausnutzten, um in kompromittierten Umgebungen Zugangsdaten und sensible Informationen zu extrahieren. Diese Aktivität wurde als „Operation PCPcat“ bezeichnet. Bereits hier wird sichtbar, wie stark das Vorgehen auf gängige Web- und Entwicklerstack-Bausteine setzt – also genau die Teile der Infrastruktur, die in modernen Teams ständig betrieben und aktualisiert werden. Daneben wird eine weitere Phase erwähnt, in der eine groß angelegte Kampagne Cloud-native Umgebungen gezielt angriff, um verteilte Proxy- und Scanning-Infrastruktur hochzuziehen, danach Server zu übernehmen und Daten abzuziehen, Ransomware einzusetzen sowie Erpressung und Coin-Mining zu betreiben.
Was dann den Sprung in Richtung Supply-Chain-Angriffe konkret macht, ist die Kombination aus Automatisierung und „Wormability“: Laut den Analysen profitiert TeamPCP davon, dass moderne Softwarelieferketten eng verknüpft sind. Die Täter sollen populäre Open-Source-Bibliotheken über Mechanismen wie GitHub Actions kompromittieren und dabei auch Missbrauch von Token-Abgriffen nutzen, um Entwicklerumgebungen en masse zu infizieren. Ein zentraler operativer Link wird dabei über Identitäten zwischen GitHub- und GitLab-Accounts beschrieben, die im Umfeld von ShadowRay 2.0 und späterer TeamPCP-Infrastruktur beobachtet wurden. Durch die Korrelation von GitLab-Authentifizierungslogs, Command-and-Control-Kommunikation, Reverse-Shell-Aktivität sowie dem Malware-Staging wird ein direkter „Brücken“-Effekt zwischen den frühen und den später öffentlich auftretenden Operationen abgeleitet – auch wenn offen bleibt, ob es sich um denselben Operatorenkreis oder um eng kooperierende Gruppen handelt.
Der Blick auf das Schadcode-Ökosystem ergänzt diese Einordnung. In den Befunden wird eine Python-Komponente namens „kube.py“ beschrieben, die nach dem Eindringen in Kubernetes-Umgebungen zum Einsatz kommt. Frühe Varianten standen demnach stärker für Propagation und Persistenz, während neuere Ausprägungen – laut Beobachtungen bis März 2026 – auch zerstörerische, so genannte „wiper-like“ Pfade enthalten. Besonders drastisch: Der Code prüft, ob das Opfer auf die Iran-Zeitzone konfiguriert ist. In diesem Fall soll ein DaemonSet namens „Kamikaze“ ausgeführt werden, der jeden Node im Cluster per Wiper-Logik löscht; auf Kubernetes-Nodes außerhalb dieser Zeitzone wird stattdessen ein CanisterWorm-Backdoor installiert. Für Nicht-Kubernetes-Umgebungen ist wiederum eine Routine („poison_pill()“) vorgesehen, die das gesamte Dateisystem entfernen soll. Für Verteidiger ist das eine klare Erinnerung daran, dass sich Angreifer nicht nur Zugriff, sondern auch gezielte Systemzerstörung als Bestandteil der Operationskette „einbauen“.
Unternehmensseitig verschiebt das vor allem die Prioritäten in der Sicherheitsarchitektur. Wenn sich ein Akteursmuster über Jahre hinweg über mehrere Stacks (React, Docker, Redis, Ray) und über unterschiedliche Zugriffspunkte (von Webkomponenten über Infrastruktur bis hin zur CI/CD-Kette) hinweg reproduziert, dann reicht es nicht, nur eine einzelne Schwachstelle „abzuhärten“. Stattdessen müssen Security-Teams die Angriffsfläche für Entwickler-Workflows so behandeln, als wären sie Teil der Produktionsinfrastruktur: Token-Hygiene, Least-Privilege-Design für Integrationsrollen, Monitoring auf ungewöhnliche Staging- und Reverse-Shell-Muster sowie eine harte Segmentierung zwischen CI/CD und produktiven Umgebungen werden zur Pflichtaufgabe. Gleichzeitig zeigt die beschriebene Mischung aus Scanning, Proxy-Aufbau und automatisierter Ausnutzung, dass Latenzzeiten im Patch- und Deployment-Prozess direkt die Erfolgschancen erhöhen.
Unterm Strich spricht vieles dafür, dass TeamPCP nicht „neu“ ist, sondern eine Fortsetzung eines bereits etablierten Operations-Ökosystems darstellt, das die Angriffsfläche schrittweise erweitert hat. Die Evolution von Redis- und Cloud-Zugriffen hin zu cascading Supply-Chain-Manipulationen wirkt wie eine logische Verlängerung: Angreifer nutzen dabei die gleiche Werkzeugkiste – nur eben an Stellen, an denen Softwareentwicklung selbst zur Eintrittstür wird. Damit rückt die Frage in den Vordergrund, wie schnell Organisationen kompromittierte Abhängigkeiten erkennen, wie zuverlässig sie CI/CD-Integrität prüfen und ob ihre Incident-Response-Prozesse für die Kombination aus Token-Missbrauch, automatisierter Verbreitung und potenzieller Cluster-Zerstörung vorbereitet sind.
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