NEW YORK / LONDON (IT BOLTWISE) – Angreifer sollen bei McKesson über Voice-Phishing Zugang zu Netzwerken erlangt haben, um Daten aus Cloud-Partnerspeichern zu exfiltrieren. In den Angaben der Täter geht es um sensible Patienteninformationen wie Namen, Adressen, Geburtsdaten und medizinische Identifikatoren. Zusätzlich wird laut den Vorwürfen auch über Mitarbeiter- und Arztkommunikation berichtet. McKesson bestätigte, dass es den Vorfall am 25. August als Cybersecurity-Problem entdeckt hat, ohne Details zur Größenordnung bereits final zu beziffern.

Das Datenleck bei McKesson trifft eine besonders sensible Schnittstelle der Gesundheits-IT: Unternehmensdaten treffen dort auf Patientendaten, während Prozesse oft über mehrere Cloud- und Partnerumgebungen laufen. In den vorliegenden Angaben wird beschrieben, dass Angreifer zunächst nicht direkt in die Systeme von McKesson eingestiegen seien, sondern über den Umweg des Voice-Phishings Mitarbeiter so unter Druck gesetzt haben sollen, dass sie Zugangsdaten preisgaben. Entscheidend ist dabei weniger das „Einstiegsbild“ als die Folge: Wenn Credential-Informationen in falsche Hände geraten, können Angreifer danach häufig in nachgelagerten Speicherbereichen arbeiten, die für normale Nutzerrollen gedacht sind.
Technisch wird der Angriff als Schrittfolge geschildert: Zuerst sollen wenige Mitarbeitende durch telefonbasiertes Social Engineering Anmeldedaten bereitgestellt haben. Anschließend hätten die Angreifer angeblich auf Daten zugreifen können, die in Cloud-Umgebungen von Partnern abgelegt sind; im Bericht werden dafür Salesforce und Snowflake genannt. Von dort aus wird beschrieben, dass die Angreifer Dateien direkt exfiltriert haben sollen. Für die Zielwirkung im Healthcare-Umfeld ist genau diese Exfiltrationsphase kritisch: Sie erlaubt es, innerhalb kurzer Zeit große, zusammenhängende Datensätze zu kopieren, statt nur einzelne Felder oder sporadische Datensätze zu „rauben“.
Die behauptete Datenpalette geht dabei über reine Kontaktdaten hinaus. Den Angaben zufolge sollen Patientendaten enthalten sein, unter anderem vollständige Namen, Wohnadressen, Geburtsdaten, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Sozialversicherungsnummern; zusätzlich werden patientenspezifische Gesundheits-IDs genannt, darunter medizinische Akten- oder Record-Nummern. Ebenso heißt es, dass in einigen Fällen medizinische Informationen wie Verordnungsdaten sowie sogar Angaben in Zusammenhang mit Autopsien enthalten gewesen sein sollen. In einem weiteren Detail wird behauptet, es gebe außerdem prognostische Gesundheitsinformationen zur Krebsrisikoeinschätzung einzelner Patienten – ein Aspekt, der für medizinische Entscheidungen besonders heikel wäre, auch wenn unklar bleibt, wie belastbar solche Prädiktionen im konkreten Datensatz tatsächlich sind.
Neben Patienteninformationen soll das Datenleck laut den Vorwürfen auch Personal- und Organisationsdaten betreffen. Genannt werden Datensätze mit Namen, Adressen, E-Mail- und Telefonnummern sowie Abteilungen und Jobrollen. Zusätzlich wird behauptet, dass Informationen zu Ärztinnen und Ärzten sowie zu Kliniken erkennbar gewesen sein könnten, die McKesson-Dienste nutzen. Auch Kommunikationsspuren werden erwähnt: Angreifer sollen demnach Doctor-to-Patient bzw. Arzt-Patient-Kommunikation exfiltriert haben, wobei der Fokus laut den Aussagen auf E-Mail-Inhalten liegen soll und nicht auf Dateianhängen. Für die Bewertung der realen Auswirkungen ist das wichtig, weil E-Mail-Inhalte häufig Kontext liefern, der später bei gezielten Phishing- oder Social-Engineering-Angriffen wiederverwendet werden kann – auch dann, wenn keine bösartigen Anhänge im Spiel waren.
Verifizierbar ist an dieser Stelle vor allem der Zeitbezug aus offizieller Sicht: McKesson hat in einer regulatorischen Meldung gegenüber der US-Börsenaufsicht SEC bestätigt, dass das Unternehmen den „cybersecurity incident affecting its information systems“ erstmals am 25. August entdeckt hat. Gleichzeitig heißt es, dass McKesson bisher nur wenige Details zum Vorfall bereitgestellt hat und den tatsächlichen geschäftlichen Impact noch nicht abschätzen konnte. Ebenso wird berichtet, dass das Unternehmen noch nicht bestätigt oder dementiert habe, ob die konkreten Ansprüche der Angreifer über den Umfang der Daten wahr sind. In den von den Angreifern beschriebenen Schritten taucht außerdem eine Erpressungsforderung auf: Angeblich verlangen sie 55 Millionen US-Dollar und bieten im Gegenzug an, Daten zu löschen.
Offen bleibt unterdessen, ob zusätzlich zur Datenexfiltration auch Ransomware eingesetzt wurde. Der Bericht, auf den sich die bisherigen Aussagen stützen, liefert dazu offenbar keine Details. Genau diese Unschärfe ist für IT-Verantwortliche ein Warnsignal: Selbst ohne verschlüsselnde Schadsoftware kann ein Vorfall gravierend sein, wenn Zugangsdaten kompromittiert wurden und Daten in fremde Hände gelangt sind. Für die technische Reaktion steht dann meist die Kombination aus forensischer Auswertung, Rechte- und Token-Überprüfung, sowie dem Abgleich mit Cloud-Logdaten im Vordergrund. Unternehmen, die ähnlich wie McKesson auf Partner-Ökosysteme und Cloud-Datenablagen setzen, sollten außerdem besonders prüfen, ob die kompromittierten Credentials auf Rollen mit Zugriff auf sensible Datenspeicher ausgelegt waren und ob zusätzliche Schutzschichten wie stärkere Verifikation bei besonders riskanten Aktionen greifen konnten.
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