LONDON (IT BOLTWISE) – IBM warnt vor zwei kritischen Langflow-Lücken, die in bestimmten Versionen Authentifizierung umgehen und sogar Codeausführung ermöglichen können. Betroffen sind alle Releases von 1.0.0 bis 1.12.8, während als einzige Abhilfe Langflow 1.13.0 gilt. Besonders kritisch ist die Standardkonfiguration mit automatischem Login über die Variable LANGFLOW_AUTO_LOGIN. Für Systeme ohne Upgrade-Pfad gibt es laut Bulletin keinen tragfähigen Workaround.

Langflow, ein Open-Source-Tool zum Bau von KI-Agenten und Workflows, steht wegen mehrerer Schwachstellen unter erhöhtem Handlungsdruck. Laut einer Sicherheitswarnung von IBM sind zwei als „critical“ eingestufte Probleme so ausgeprägt, dass ein Angreifer ohne Konto entweder Zugriffsbeschränkungen umgehen oder beliebige Befehle anstoßen kann. Der Zeitraum der Betroffenheit ist dabei ungewöhnlich breit: IBM nennt für die vier relevanten CVEs der ersten Warnung alle Versionen von 1.0.0 bis 1.12.8 als betroffen, wobei nur Langflow 1.13.0 als Fix genannt wird.
Im Detail adressiert IBM zwei unterschiedliche Kernrisiken. Die eine Lücke (CVE-2026-93680, CVSS 9,8) betrifft nach Angaben von IBM die Authentifizierung: Durch „improper authentication“ könnten Angreifer Sicherheitsregeln umgehen. Die zweite „critical“-Lücke (CVE-2026-110186, CVSS 9,8) hängt laut Bulletin mit einer unzureichenden Kontrolle der Codegenerierung zusammen, wodurch auch „arbitrary code“ möglich sein soll. Für Betreiber ist entscheidend, dass IBM diese Probleme nicht isoliert betrachtet: Hinzu kommen zwei weitere Schwachstellen (CVE-2026-110193 mit CVSS 8,8 sowie CVE-2026-110192 mit CVSS 6,5), bei denen laut IBM entweder niedrig privilegierte Konten Agentic Assistant-Funktionen zum Erzeugen und Einreichen ausführbarer Komponentencodes missbrauchen oder über unzureichend geschützte Credentials sensible Informationen abrufen könnten.
Technisch wird die Angriffserwartung besonders greifbar, weil Langflow nicht nur als Weboberfläche existiert, sondern auch als Tool-Backend für KI-Apps auftreten kann. IBM beschreibt eine der vier Lücken als „unauthenticated remote code execution exploitable through model context protocol tool enumeration“. Über das Model Context Protocol (MCP) kann Langflow seine Flows als Tools für KI-Anwendungen bereitstellen, die MCP unterstützen. IBM nennt dazu einen Metasploit-Modul-Mechanismus als bereits vorhandene Angriffsvorstufe: Das Modul verbindet sich mit dem MCP-Endpoint eines Langflow-Servers ohne Credentials, startet eine Session und listet die vom Server angebotenen Tools auf. Wichtig ist die Grenze dieses Moduls: Es führt laut Beschreibung keine Kommandos oder Code auf dem Server aus, dient aber als Indikator dafür, wie ein Angreifer unautorisierte Oberflächen entdecken und anschließend weitergehende Aktionen vorbereiten könnte.
Im gleichen IBM-Umfeld taucht eine konkrete Konfigurationsfalle auf, die in der Praxis häufig übersehen wird: automatisches Login. Wenn automatic login aktiviert ist, meldet Langflow Nutzer ohne sichtbare Anmeldung als Superuser an. IBM verweist darauf, dass die Umgebungsvariable LANGFLOW_AUTO_LOGIN in der Version 1.12.8 standardmäßig aktiv ist, und ergänzt die Codebeschreibung, die darauf hinweist, dass das Verhalten „bypasses authentication“ und nur für Entwicklungsumgebungen gedacht sei. IBM beschreibt außerdem, dass ein getestetes Modul auf Langflow 1.8.4 mit aktivierter automatischer Anmeldung funktionierte. Daneben nennt IBM noch einen zweiten Teil der vier Schwachstellen im Kontext „an incomplete remediation of an auto-login security control“, allerdings ohne klarzustellen, ob Installationen ohne automatisches Login ebenfalls anfällig sind.
Dass die Sicherheitslage nicht nur theoretisch ist, zeigt der Releasestrom: Langflow 1.13.0 erschien am 22. Oktober, während Version 1.12.8 am selben Tag veröffentlicht wurde und die Schwächen weiterhin enthält. IBM macht dabei explizit, dass es keinen Workaround gibt, falls ein Server nicht rechtzeitig upgraden kann. Auch für die Versionsplanung ist das relevant, weil ein späteres 1.12.x-Update über PyPI offenbar nicht verfügbar war (Stand: 2. November). Für Administratoren bedeutet das: Das Risiko lässt sich nur durch den Sprung auf 1.13.0 reduzieren, nicht durch eine optionale Konfigurationskorrektur allein.
Die Umstellung auf 1.13.0 adressiert dabei direkt das automatische Login-Verhalten: Laut Langflow-Dokumentation wird automatic login in 1.13.0 standardmäßig deaktiviert. Für den Upgrade-Prozess nennt IBM konkrete Schritte, die sich auch in der Betreiberpraxis bewähren: Zunächst sollen Datenbanken, der Secret Key sowie hochgeladene Dateien gesichert werden. Für Installationen, die bisher auf automatisches Login setzten, muss laut Upgrade-Anleitung ein bestehendes Konto so vorbereitet werden, dass es sich künftig per Passwortanmeldung anmelden lässt. Technisch erfolgt das Update als Python-Paket über „pip install –upgrade “langflow==1.13.0″“; bei Docker-Setups wird auf das Image „langflowai/langflow: 1.13.0“ gewechselt und persistenten Daten im Deployment-Kontext bleiben. Besonders wichtig ist der Hinweis, Langflow nicht einfach zu löschen oder neu zu installieren, um Zugriff zurückzugewinnen, weil die Dokumentation davor warnt, dass dabei Workflows dauerhaft verloren gehen könnten.
Ergänzend fällt auf, dass IBM kurz nach Veröffentlichung der vier Kernlücken weitere Langflow-Schwachstellen als CVE-Einträge bereitgestellt hat: Am 29. Oktober folgten Datensätze für 29 weitere Probleme, inklusive Fixversionen 1.12.4 und 1.12.5 für einzelne Fälle. IBM nennt dabei als weiteres Beispiel (CVE-2026-104339, CVSS 9,8), dass auch dort ein „no account“-Szenario möglich sein könnte. Gleichzeitig zeigt der Vergleich zur Fixlage, dass keine der 33 Schwachstellen-Positionen (inklusive der vier aus dem ersten Bulletin) Langflow 1.13.0 als betroffen markiert, was den Upgrade-Fokus für Security-Teams konsolidiert. Für Unternehmen, die Langflow als Baustein in eigenen KI-Plattformen einsetzen, heißt das vor allem: Die schnelle Aktualisierung muss mit einem Sicherheitscheck der MCP-Tool-Freigaben sowie der bisherigen Login-Konfiguration gekoppelt werden, damit aus einer „Agentic“-Architektur kein dauerhaftes Einfallstor wird.
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