LONDON / LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher warnen vor einer neuen Welle der Miasma-/Hades-Kampagne, die zuvor kompromittierte Kennungen nutzt, um trojanisierte npm-Pakete in sehr kurzen Zeitfenstern zu veröffentlichen. Zusätzlich missbraucht die Malware GitHub Actions, stiehlt CI/CD-Umgebungsdaten und versucht, Backdoors in weitere Repositories zu streuen. Erstmals erscheint die Angriffslogik auch im Umfeld eines Go-Projekts, sodass der Risiko-Fokus stärker auf dem Entwicklerworkflow statt nur auf dem Paket-Installationsschritt liegt. Für Unternehmen bedeutet das: bessere Token-Hygiene, härtere CI-Isolation und wirksame Supply-Chain-Scanning-Prozesse werden zum Pflichtprogramm.

Miasma-Kampagne kompromittiert npm-Pakete und GitHub Actions, erweitert auch Go-Repositories
Miasma-Kampagne kompromittiert npm-Pakete und GitHub Actions, erweitert auch Go-Repositories (Foto: IT BOLTWISE)
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Cybersecurity-Teams berichten von einer weiteren Ausbaustufe einer Supply-Chain-Attacke, die zur Mini Shai-Hulud- und Miasma/Hades-Malware-Familie zugeordnet wird. Besonders auffällig ist, dass die Kampagne nicht nur npm-Pakete kompromittiert, sondern parallel in den Go-Ökosystem-Kontext hineinwirkt und zusätzlich GitHub Actions als Zielsystem nutzt. Laut den Forschern umfasst die aktuelle Aktivität schädliche npm-Releases, die u. a. LeoPlatform- und RStreams-Pakete betreffen, sowie Missbrauch von CI-Workflows. Das Ziel bleibt dabei konstant: Entwickler- oder Maintainer-Credentials abgreifen und die gestohlenen Werte verwenden, um weitere Angriffsoberflächen in Registries und in „trusted“ Tooling-Ketten zu kontaminieren.

Die technischen Details zeigen, warum der Angriff trotz sichtbarer Indikatoren schwer abzuwehren ist. Den Forschern zufolge setzten die Täter auf eine sehr schnelle Veröffentlichung trojanisierter Paketversionen und kombinierten klassische Registry-Poisoning-Methoden mit Ausführung zur Installationszeit. Ein Kernelement ist die Einbindung einer binding.gyp-Datei, die während des Build-/Install-Schritts beliebigen Code ausführen kann. Ergänzend wird ein JavaScript-Loader nachgeladen, der typischerweise zunächst das Bun-Runtime-Umfeld installiert, sofern es noch nicht vorhanden ist. Erst danach startet die eigentliche „Stealer“-Komponente, die Tokens, Credentials und weitere geheimnisrelevante Artefakte einsammelt.

Im npm-Fall wird es besonders kritisch, dass die Pakete nach außen nicht zwangsläufig über übliche Lifecycle-Hooks auffallen. Berichte deuten darauf hin, dass in den betroffenen Artefakten häufig ein typischer Hook in package.json fehlt, der Sicherheitsanalysten sofort auf das Verdächtige aufmerksam machen würde. Stattdessen übernimmt binding.gyp die Ausführung. Zusätzlich nutzen die Täter offenbar eine Reihe von Tarnmechanismen: Eine „Russian locale“-Killswitch soll die Ausführung unter bestimmten Systembedingungen blockieren, und es wird nach Tools der Endpunkt-Sicherung gesucht, bevor Payloads nachgeladen werden. Bei der Informationsabfuhr wird die exfiltrierte Datenmenge zudem verschlüsselt, unter anderem mit AES-128-GCM, bevor sie weitergegeben wird.

Die nächste Eskalationsstufe betrifft GitHub Actions und damit direkt CI/CD-Workflows. Berichten zufolge wird ein Workflow mit dem Namen „Run Copilot“ abgelegt, um Secrets aus der Runner-Umgebung abzugreifen. Der Abzug erfolgt dabei nicht nur über klassische Umgebungsvariablen, sondern durch das Auslesen von Speicherinhalten, wie es bei kompromittierten CI-Läufen möglich wird. Anschließend wird die erlangte Information in ein öffentliches GitHub-Repository hochgeladen; dort wurde die Beschreibung „Alright Lets See If This Works.“ genannt, was laut den Forschern in zahlreichen Repositories zu Trefferketten führt. Auffällig ist zudem, dass die Malware Markerstrings abfragt, um Varianten der Hades-Komponente gezielt nachzuziehen und auszuführen.

Für das Verständnis der Angriffslogik ist zudem wichtig, wie GitHub Actions-Token missbraucht werden. In dem beschriebenen Szenario werden GitHub OIDC-Tokens abgegriffen und zusätzlich Personal Access Tokens gesammelt, sofern sie zu bekannten Token-Mustern passen. Diese gesammelten Werte werden wiederum verschlüsselt und anschließend dazu genutzt, über Zugriff auf andere Repositories eine Backdoor-Propagation zu versuchen. Als direkter Wettbewerbs- und Industriereferenzpunkt fällt dabei die kompromittierte GitHub Action „codfish/semantic-release-action“ auf: Berichte zufolge wurde am 24. Juni 2026 um 15:39:06 UTC ein bösartiger Commit erzwungen und mehrere Versionstags auf diesen Commit umgeleitet. Jede Workflow-Ausführung, die danach betroffene Tags nutzte, hätte die Payload direkt im GitHub-Actions-Runner ausgeführt.

Dass das Ganze in einen größeren Betriebscluster bzw. in eine konsistente Tooling-Linie passt, lässt sich auch an der Veränderung der Artefakt-Marker erkennen. Während frühere Wellen Strings wie „IfYouInvalidateThisTokenItWillNukeTheComputerOfTheOwner“ verwendeten, nutzt die aktuelle Version „RevokeAndItGoesKaboom“. Solche Marker dienen häufig als „Dead-drop“-Resolver, damit die Infrastruktur nicht nur einmalig arbeitet, sondern fortlaufend Varianten steuert. Berichten zufolge ist der neue Marker bereits in Verbindung mit früheren Kompromittierungen von GitHub-Actions-Workflows gesehen worden. Insgesamt ist das weniger ein Indikator für „neue Malware“, sondern eher für kontinuierliches Re-Branding der Ausführungs- und Steuerungsparameter, um statische Signaturen zu umgehen.

Markt- und Branchenkontext: JFrog ordnet die betroffenen Leo/RStreams-Paketfamilien als besonders relevant für cloud-native und serverless Workloads ein. Eine Kompromittierung dort kann Entwicklerarbeitsplätze ebenso gefährden wie CI/CD-Systeme, AWS-basierte Anwendungen und GitHub-Repositories, inklusive Publishing-Credentials und downstream konsumierte Pakete. Der zentrale Punkt für Security-Teams ist die Kaskade: Ein einziger erfolgreicher Token-Abgriff kann nicht nur die „Einkaufskette“ (Dependencies), sondern auch die „Lieferkette“ (Publishing, Releases, Automation) drehen. Branchenexperten formulieren es sinngemäß so: Die Payload ist nicht zwingend radikal neu, aber Shai-Hulud/Miasma bewegt sich weiter durch legitime Ökosysteme und verändert nur genug Indikatoren, damit veraltete Detektionen weniger greifen.

Historisch betrachtet zeigt sich hier ein vertrautes Muster: Supply-Chain-Angriffe wandern seit Jahren zwischen Paketregistern, Build-Tools und CI-Workflows. Frühe Kampagnen setzten oft auf klare Hooks oder auffällige Skripte in Paketmetadaten. Spätere Wellen haben gelernt, über „scheinbar unauffällige“ Build-Schritte und über die Kompromittierung von Maintainer-/Publisher-Konten zu arbeiten. Neu ist weniger die Grundidee als die konsequente Verknüpfung mehrerer Ausführungsflächen: npm, GitHub Actions und nun zusätzlich ein Go-bezogenes Repositoryumfeld. Laut den Forschern nutzt das Go-Beispiel dabei nicht die binding.gyp-Mechanik. Stattdessen steigt das Risiko über „Source-Repository Execution“: Ein Entwickler, der ein Repository klont oder in einer vertrauenswürdigen IDE bzw. in einer KI-Coding-Assistant-Umgebung öffnet, könnte durch Projektkonfigurationen ungewollt die Payload triggern.

Für die Zukunft bedeutet das vor allem, dass Defense nicht mehr nur „Package-Install prüfen“ heißen darf. Wenn Angreifer Entwicklerworkflows als primären Ausführungskanal wählen, müssen Unternehmen auch ihre IDE-/Assistant-Integration, ihre Projektinitialisierung, sowie die Secrets- und Token-Verteilung in CI härter gestalten. Praktisch heißt das: minimal privilegierte Tokens, kurze Token-Laufzeiten, restriktive OIDC-Bindings, die konsequente Trennung von Build- und Deploy-Kontexten sowie Monitoring auf ungewöhnliche Workflow-Änderungen und Dead-drop-Kommunikation. Aus den Berichten lässt sich außerdem eine Richtung ableiten: Die Täter variieren Markerstrings und Ausführungsindikatoren kontinuierlich, was auf eine langfristige Kampagnenplanung hindeutet. Entwickler bekommen dadurch eine klare Implikation: Abhängigkeiten, Release-Automation und Repository-Events müssen gemeinsam abgesichert werden, nicht nacheinander.


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