TEL AVIV / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Startup Majestic Labs stellt mit dem Prometheus-Server ein neues Rechensystem vor, das auf Speicher und Bandbreite für KI-Berechnungen optimiert ist. Bis zu 12 Ignite-AIUs sollen Arm-Kerne mit RISC-V kombinieren, während LPDDR6 den Arbeitsspeicher bereitstellen soll. Für den Vergleich nennt das Unternehmen mehr als den 50-fachen schnellen Speicher gegenüber einem Nvidia DGX B300 und eine höhere Interconnect-Bandbreite. Der Ansatz zielt darauf ab, sich in 40U-Racks von Rechenzentren integrieren zu lassen und bestehende Software-Stacks wie PyTorch und vLLM zu unterstützen.

Majestic Labs aus Tel Aviv positioniert den Prometheus-Server als Gegenentwurf zu klassischer GPU-basierten KI-Infrastruktur. Der Kern der Aussage: Statt GPUs von Nvidia im Schwerpunkt ersetzen zu wollen, setzt das Startup auf eine eigene Kombination aus Recheneinheiten, Speichertechnik und System-Integration. Auffällig ist dabei weniger der generelle Anspruch „schneller“, sondern die sehr konkrete Ausrichtung auf Speicher-Kapazität und interne Datenanbindung – also genau die Engpässe, die in vielen KI-Workloads dann spürbar werden, wenn Modelle wachsen oder gleichzeitig mehrere Prompts parallel verarbeitet werden.
Technisch beschreibt Majestic Labs Prometheus mit bis zu 12 „Ignite-AIUs“ als zentrale Recheneinheiten. Laut den Angaben der Firma verschmelzen in diesen Einheiten Arm-Kerne mit der RISC-V-Architektur. Für den Arbeitsspeicher wird LPDDR6 genannt, mit Server-Kapazitäten von „zwischen 8 und 128 Terabyte (TB)“. Als Vergleichsfolie führt das Unternehmen zudem einen Nvidia DGX B300 an: Dort sollen 2,3 TB HBM3e verfügbar sein, während Prometheus laut eigener Darstellung mehr als den 50-fachen schnellen Speicher bieten soll. Ergänzend nennt Majestic Labs eine um 1,7-fache höhere Interconnect-Bandbreite im Vergleich zu Konkurrenzprodukten sowie eine verfügbare Speicherkapazität pro Prozessor, die das Startup bis ins „Tausendfache“ gegenüber herkömmlichen Nvidia-Systemen rechnet.
Damit verschiebt sich die Bewertung von „Training gegen Inferenz“ hin zu einer Frage, wie gut ein System die Datenbewegung innerhalb des Racks beherrscht. In großen Transformer-Setups ist der Durchsatz häufig nicht nur durch Rechenleistung begrenzt, sondern durch die Geschwindigkeit, mit der Gewichte, Aktivierungen und Zwischenergebnisse zwischen Speicherhierarchie und Recheneinheiten wandern. Genau hier will Majestic Labs mit mehr Speicher pro Server und höherer Verbindungsgeschwindigkeit ansetzen. Der Hinweis, dass die Speicher-Bandbreite und die Interconnect-Werte nicht nur Nebenparameter sind, passt zudem zu aktuellen Optimierungspraktiken in der KI-Entwicklung: Frameworks wie PyTorch-Ökosysteme und Inferenz-Stacks wie vLLM hängen stark davon ab, wie effizient Modelle gepuffert, geplant und in Batch-Größen umgesetzt werden.
Auch die Rack-Logik ist für den Markteinstieg entscheidend, weil Rechenzentren selten „ein einzelnes System“ betrachten, sondern standardisierte Einheiten. Prometheus soll dafür OCP-konform sein, wodurch sich die Integration in standardisierte Infrastrukturen des Open Compute Project vereinfachen lässt. Ein standardisiertes 40U-Rack könne vier Prometheus-Server aufnehmen; daraus ergibt sich laut Hersteller eine Gesamtleistung von 120 Kilowatt pro Rack. Die Kühlung erfolgt dabei über ein Flüssigkeitssystem – ein Ansatz, der in vielen Hochleistungsrechenzentren zunehmend eingesetzt wird, sobald Luftkühlung an Leistungsdichten stößt. Interessant ist außerdem die Behauptung zum Skalierungseffekt: Ein einzelnes Rack soll die Speicherkapazität von 25 Nvidia-NVL72-Vera-Rubin-Racks erreichen, bei zugleich geringerem Stromverbrauch.
Für die praktische Adoption nennt Majestic Labs eine Einbindung in gängige Software-Frameworks und Bibliotheken, darunter PyTorch, vLLM und OpenAI Triton. Das Ziel ist dabei klar: Unternehmen sollen ihre bestehenden KI-Workflows nicht komplett umbauen müssen, sondern die neue Hardware in bekannte Pipelines übernehmen können. Gerade Triton wird in der Praxis häufig genutzt, um hochgradig optimierte Kernel für Inferenz und Training zu liefern; wenn ein System hier kompatibel oder zumindest gut anpassbar bleibt, sinkt das Integrationsrisiko. Trotzdem bleibt die entscheidende Hürde das „Wie“: Selbst wenn die Software-Schnittstellen passen, müssen Treiber, Scheduler-Strategien und Speicherverwaltung in der Realität die versprochenen Effizienzwerte einlösen. Das Startup adressiert diesen Punkt implizit, indem es Kostenvorteile nennt – gleichzeitig merkt der Bericht an, dass eine unabhängige Validierung der Leistungsansprüche und Effizienzgewinne derzeit noch aussteht.
Finanziell positioniert sich Majestic Labs mit einem Team aus Ofer Shacham (Vorstandsvorsitzender), Sha Rabii (Präsident) und Masumi Reynders (operative Geschäftsführung). Für die Entwicklung soll das Unternehmen Ende des vergangenen Jahres im Rahmen einer Series-A-Finanzierungsrunde 100 Millionen US-Dollar eingesammelt haben. Laut eigenen Angaben gebe es bereits Bestellungen von unterschiedlichen Akteuren – darunter klassische Unternehmen, spezialisierte Cloud-Anbieter und große Hyperscaler. Die Markteinführung und der Beginn der Auslieferung sollen für das kommende Jahr geplant sein. Für die Branche bedeutet das: Wenn Prometheus tatsächlich in größeren Stückzahlen in Betrieb geht, könnte sich der Wettbewerb in KI-Rechenzentren stärker in Richtung Systemarchitektur und Speicher-/Interconnect-Engineering verlagern – also dorthin, wo bisher vor allem GPU-Ökosysteme dominieren.
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