BERLIN/MÜNCHEN (IT BOLTWISE) – Das Berliner Tech-Startup Merantix will mithilfe Künstlicher Intelligenz medizinische Diagnosen zuverlässiger machen und damit Leben retten. Es bringt Computern bei, Röntgenbilder zu beurteilen und das besser als es der Mensch derzeit kann. Die Software des deutschen Startups hat als erste KI nun eine europaweite Zulassung erhalten. Die KI-Software soll Ärzte unterstützen und entlasten zugleich, indem sie bei der Brustkrebsvorsorge Bildmaterial bzw. Röntgenbilder auswertet. Es ist die erste CE-zertifizierte Software Deutschlands zur Brustkrebsvorsorge mittels Künstlicher Intelligenz.

Die Stecknadel im Heuhaufen zu finden – so kann man sich Brustkrebsvorsorge ungefähr vorstellen – ist eine Herausforderung für Radiologen, die Mammografien den ganzen Tag beurteilen und auswerten müssen. 97 Prozent der Röntgenaufnahmen sind unbedenklich, drei Prozent der Befunde sind auch nach fachmännischer Beurteilung noch unklar, 0,6 Prozent der Aufnahmen führen schließlich zu einer Krebsdiagnose. Das belegen Zahlen der Kooperationsgemeinschaft Mammographie aus dem Geschäftsjahr 2013. Neuere Auswertungen gibt es zum Tag der Berichterstattung nicht.

Das Startup Merantix Healthcare aus Berlin will Radiologen mit der hauseigenen KI-Software namens Vara entlasten, offensichtlich unkritische Röntgenaufnahmen betrachten zu müssen. „So erhalten sie mehr Zeit, sich auf die kritischen Befunde zu konzentrieren, ermüden nicht so schnell und machen weniger Fehler“, so Merantix-Mitgründer Jonas Muff. Die KI-Software schont laut den Entwicklern wichtige und teure Ressourcen, indem sie automatisch die unbedenklichen Aufnahmen erkenne und innerhalb von Sekunden aussortiere.

Es ist die erste CE-zertifizierte Software Deutschlands zur Brustkrebsvorsorge mithilfe von Künstlicher Intelligenz. Das europaweit gültige Zertifikat bescheinigt die Konformität mit den geltenden gesetzlichen Vorschriften und ist Voraussetzung dafür, dass die Software auch als Medizinprodukt in den Handel gebracht sowie von Ärzten wie auch dem dazugehörigen Personal genutzt werden darf. Das ist ein neues Geschäftsfeld, da die CE-Zertifizierung in der Vergangenheit für physische Produkte und nicht für Software vergeben wurde – also ein Meilenstein für Künstliche Intelligenz.

Die eingesetzt Künstliche Intelligenz des Startups Merantix wurde an einem sehr großen Datensatz trainiert. Er enthält mehr als zwei Millionen Röntgenaufnahmen, welche mittels Gewebeproben von Ärzten abgesichert sind. Die Software hat an diesen Datensätzen gelernt, wie negative Brustkrebsbefunde aussehen. Das junge Unternehmen aus Berlin gibt an, dass sie diese negativen Befunde fast fehlerfrei und ohne menschliches Zutun erkenne.

Die KI-Software ist nach eigener Aussage in fünf europäischen Ländern derzeit im Einsatz und an die IT von Radiologiezentren angebunden. „Mit unseren Partnern wollen wir die KI immer besser machen und die Diagnostik insgesamt voranbringen“, so Muff.

Wie bei ärztlichen Diagnosen bleibt aber auch bei Künstliche Intelligenz-gestützten Diagnosen ein Restrisiko offen. Denn nicht jeder Brustkrebs sei in Aufnahmen sichtbar, sagt Geschäftsführer Muff. Allerdings arbeite die KI-Software Vara im Rahmen von Pilotprojekten verlässlich beim Ausschließen unkritischer Fälle, erklärt die Firma in einer offiziellen Mitteilung.

Nach der CE-Zulassung folgten nun die Verhandlungen mit den Krankenkassenverbänden über die Erstattungsfähigkeit des Angebots auf nationaler Ebene, so Merantix. Zusätzlich arbeite Merantix an einer Zulassung für den amerikanischen Markt durch die dortige Gesundheitsbehörde FDA.

Jonas Muff ist Mitgründer von Merantix Healthcare (Foto: START GLOBAL)
Jonas Muff ist Mitgründer von Merantix Healthcare (Foto: START GLOBAL)




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