LONDON (IT BOLTWISE) – Sicherheitsforscher beschreiben eine Chromium-basierte Nachinstallations-Baureihe namens PEEP, die sich als Browser-Lesezeichen-Erweiterung tarnt. Der Installer injiziert die Erweiterung direkt in Chrome- und Edge-Profile und umgeht dabei übliche Store-Prüfungen sowie Nutzerabfragen. Über Native Messaging erweitert PEEP die Reichweite vom Browser hin zum Host und führt dort Befehle sowie Dateimanagement aus. Gleichzeitig sammelt die Malware Browserdaten und Session-Cookies in einem regelmäßigen Beacon-Loop per HTTP.

PEEP zielt nicht auf die erste Kompromittierung, sondern auf die Zeit danach: Die Malware wird als post-compromise framework beschrieben, weil sie keinen initialen Angriffsvektor mitliefert. Stattdessen setzt sie voraus, dass ein Angreifer bereits Zugriff auf ein Zielsystem besitzt und dann das Browser-Ökosystem als Brücke nutzt. Laut der Analyse wird PEEP in Chrome und Edge als „Smart Bookmarks“ (ID: ejkndncpkdcjcikfhiamcdehdoegilbj) getarnt und als Erweiterungsidee ausgeliefert, die sich wesentlich besser in den Alltag von Nutzern und IT-Verwaltungen einfügen kann als klassische Loader-Programme.
Technisch basiert PEEP auf einem Chromium-basierten Ansatz und überschreibt dabei gleich mehrere Schutzannahmen. Der Installer injiziert die Erweiterung direkt in die Chrome-/Edge-Profile, sodass Web-Store-Checks und Nutzerprompt-Schritte ausbleiben. Im Kern geht es dabei um die Manipulation von Chromium-eigenen Integritätswerten: Der Bericht beschreibt, dass der Installer Secure-Preferences-Integritätssignaturen „fälscht“, um die Installation unauffällig durchlaufen zu lassen. Zusätzlich kommt ein nativer Messaging-Hebel zum Einsatz: Ein Native-Messaging-Tool erweitert PEEP über reine Browser-Telemetrie hinaus in Richtung Host-Ebene, also dorthin, wo Prozesse starten, Dateien verwaltet und echte Betriebssystemoperationen möglich werden.
Der operative Ablauf wird über einen Beacon-Loop sichtbar, der in kurzen Intervallen arbeitet. Nach der Installation pollt der „Extension“-Agent ein Command-and-Control-System auf neue Aufgaben, wobei für die Kommunikation im Bericht explizit unverschlüsseltes HTTP genannt wird. In der gleichen Schleife exfiltriert PEEP Browserhistorie, Metadaten des aktiven Tabs und Session-Cookies. Damit verschiebt sich der Charakter von PEEP von einem reinen Datenabzug hin zu einem Remote-Access- und Monitoring-Werkzeug: Der Browser wird zum Ausführungspunkt für Credential-Theft, Session-Hijacking, das Verändern von Webseiten sowie das Anstoßen weiterer Host-Kommandos.
Besonders relevant für die Verteidigung ist die Rolle des Native Messaging Hosts. Die Analyse beschreibt „Operating in the user context“ und dass die Erweiterung Browser-Artifacts extrahiert und dann über „com.peep.lab/nm_host.exe“ Shell-Kommandos ausführt, Dateien verwaltet und Prozesse sowie Services entdeckt. Genau diese Transformation ist entscheidend: Browser-Sandboxen sollen typischerweise den direkten Zugriff auf das Betriebssystem begrenzen, doch durch Native Messaging wird die Malware von dort „herausgezogen“, während sie gleichzeitig als Teil des signierten Browser-Prozesses läuft. Das erschwert klassische Detektionsansätze, die sich häufig auf neue oder nicht signierte Binärdateien konzentrieren, weil der entscheidende Logikpfad innerhalb des Browser-Kontexts stattfindet.
Beim Delivery- und Persistenz-Setup greift PEEP auf mehrere Umgehungsmechanismen zurück. Der Bericht nennt sideloading, enterprise force-install Policies sowie eine Präferenz-Integritätsmanipulation; außerdem wird ein ScriptCache-Fallback erwähnt. Konkret werden zwei PowerShell-Skripte eingesetzt: install_silent.ps1 schaltet laut Analyse „Developer Mode“ für sideloading frei, während patch_secure_prefs.ps1 Secure Preferences so patcht, dass die Erweiterung beim Browserstart automatisch aktiviert wird. Dazu gehört offenbar, dass die Erweiterung aus external_uninstalls entfernt und als CRX unter einem lokalen Pfad abgelegt wird, anschließend über einen Registry-Key und ein External-Extensions-Manifest erneut registriert wird und der Browser neu startet. Bemerkenswert ist zudem, dass ein Python-Skript namens patch_secure_prefs_linux.py auf ein paralleles Vorgehen auch gegen Linux-Umgebungen hindeutet.
Zum Funktionsumfang gehört neben dem Agenten auch ein Content-Skript („content.js“), das in aktive Web-Seiten eingebettet wird, um browserbasierte Aktionen lokal auszuführen. Dazu zählen im Bericht beispielhaft Screenshots, Clipboard-Zugriffe oder JavaScript-Injection. Ergänzend existieren mehrere API-Endpunkte für Registrierung, Heartbeat-Telemetrie, Agent-Tasks und Ergebnis-Uploads; außerdem werden Endpunkte für Exfil-Daten und einen internen Status („/health“) erwähnt, der ohne Login-Authentifizierung erreichbar sein soll. Für die Einordnung ist auch die Aussage „SOCRadar said“ relevant, dass PEEP auf „RedExt“ aufbaut, einem offenen Framework für Browserdatenanalyse und Red-Teaming, und es in PEEP zu dedizierten Installationsroutinen, einem Native-Host-Bridge-Teil sowie einem erweiterten Kommandoset kommt.
Offen bleibt, wie und gegen wen genau vorgegangen wird. Der Bericht nennt keine konkreten Zielbranchen, aber weist darauf hin, dass „/health“ 34 Agent-Einträge, 10 aktive Sessions und 507 Datenaufzeichnungen ausweist; gleichzeitig sei nicht klar unterscheidbar, ob die Werte echte Infektionen oder Testeinträge widerspiegeln. Für Unternehmen und Security-Teams folgt daraus eine klare Konsequenz: Browser-Erweiterungen sind nicht nur „Content“-Komponenten, sondern können im Zusammenspiel mit Native Messaging zu einem persistenten Zugriffsknoten werden. Wer Chrome/Edge im Betrieb absichert, sollte deshalb verstärkt nach ungewöhnlichen Native-Messaging-Registrierungen, manipulierten Secure-Preferences-Einträgen und untypischen Unternehmens-Installationswegen suchen – denn genau diese Kette macht PEEP vom Browser zur Host-Backdoor.
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